Rita will’s wissen

Rita will´s wissen – eine Komödie von Willy Russel

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Man nehme: Eine hübsche Blondine, ihres Zeichens Friseurin, stets bunt gekleidet mit teilweise recht vulgärer Ausdrucksweise und Berliner „Schnauze“,  füge noch einen intelligenten, relativ spießig gekleideten Mittvierziger hinzu, seines Zeichens Dozent an einer Universität, der die Aufgabe erhalten hat, die Blondine zu unterrichten und sie zum Examen zu führen. Fertig ist die Grundhandlung des neuen Stückes der Komödie im Marquardt Stuttgart!

So schnell kann doch kein abendfüllendes Theaterstück erzählt werden, meinen Sie?! Da gebe ich Ihnen durchaus Recht, denn obwohl das Zwei-Personenstück „Rita will´s wissen“, von Kurt Russel, in der Tat diese zwei äußerst konträren Persönlichkeiten als Hauptprotagonisten hat, ist die Handlung äußerst vielschichtiger als es auf Anhieb scheint!

Frank (gespielt von Ralf Stech), ein Dozent für Literatur, ist als Leiter der Erwachsenenbildung zuständig. Im Laufe der Zeit hat sich der einst so ambitionierte Schriftsteller doch sehr verändert. Sein Umfeld prägte ihn – Zynismus und Desillusionierung ist das einzige Resultat, das noch blieb. Bis eines Tages die junge Rita (Jeanette Biedermann) in sein Büro schneit und alles verändert. Die Friseurin ist das komplette Gegenteil von Frank – sie plappert munter in ihrem umgangssprachlichen Jargon darauf los, möchte sich selbst finden und hat dabei aber keine Ahnung von Literatur oder Kunst. Ein hoffnungsloser Fall für Frank! So scheint es zu Beginn jedenfalls. Und obwohl Frank am liebsten „den Fall Rita“ abgeben würde, kommt diese mit Hartnäckigkeit und Wissbegierigkeit weiter. Rita, die selbst verheiratet ist und mit Eheproblemen zu kämpfen hat, da ihr Mann es alles andere als versteht, dass sie das Lernen dem Kinderkriegen vorzieht, gibt nicht auf. Sie liest ein Buch nach dem anderen, besucht nach anfänglicher Scheu sogar Theaterstücke und selbst ihre anfangs miserablen Aufsätze mausern sich auf Prüfungsniveau. Während also Rita ihr Wissen erweitert und ihr Leben dadurch komplett umkrempelt, lernt Frank von Rita die Lockerheit des Daseins. Jedoch auch im Negativen, da er dem Alkohol sehr zugetan ist und sogar betrunken vor seinen Studenten unterrichtete – was ihm nicht nur eine Verwarnung einbrachte. Die Wandlung der beiden Charaktere ist auch optisch im Verlauf des Stückes hervorragend zu erkennen – passend durch Monika Seidls Kostümwahl: So tritt Rita zu Beginn schrill und bunt auf. Ob mit Mütze, pinken kurzen Röckchen, knappen Oberteilen und vielen Accessoires. Am Ende ist sie gediegener gekleidet, zwar sind die Röcke noch immer knapp, doch in grau oder schwarz gehalten, ihr Haar ist ordentlich gekämmt, sie trägt sogar einen Hut und spricht ohne Akzent und Ausdrücke. Frank hingegen, anfangs der Cordsamthosentyp, wird immer legerer und trägt später nur noch Holzfällerhemd und Jeans.

Dass also die beiden Personen von ihren konträren Lebensweisen und Ansichten profitieren, dürfte durchaus eine Botschaft des Autors sein. Und das Thema „Frauenbildung“ wird ebenso wieder präsent. Früher galt es als verpönt, wenn eine Frau es wagte, sich weiterzubilden oder in Positionen zu arbeiten, die eigentlich für Männer bestimmt waren. Dank der berühmten „Frauenquote“ sowie speziellen Förderprogrammen für „Frauen in Fürhungspositionen“, haben die Männer nun oftmals das Nachsehen, wenn es um die hochrangigen Jobs geht!

Welch ein Wandel! Rene Heinersdorffs Inszenierung sowie auch sein, gemeinsam mit Alexander Roy entworfenes Bühnenbild, ist hochaktuell. So verbringt Frank seinen Alltag in einem mit Büchern vollgestopften Raum, in einem kleinen Versteck hat er seinen Schnaps untergebracht, allerdings stehen am Ende überall offen sichtbar die Alkoholflaschen herum! Außer Franks Schreibtisch und seinem Stuhl, ist der Raum unmöbliert. Rita muss also auf aufgestapelten Büchern Platz nehmen. Da die Literatur im Fixpunkt der Handlung steht, sind die Bücher, die einen Großteil des Bühnenbildes beanspruchen, die passende Wahl.

Auch bei der Auswahl der Schauspieler wurde die perfekte Wahl getroffen. Ralf Stech verkörpert den spießigen, zynischen, von der Welt enttäuschten und resignierten Dozenten perfekt. Und Jeanette Biedermann, die vielen noch als Sängerin oder als Darstellerin der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ in Erinnerung sein wird, beweist großes Schauspieltalent. Ihre Wandlung innerhalb des Stückes ist noch viel drastischer und dies meistert sie mit Bravour! Ob nun Dummchen oder intelligente Dame, das Spiel mit den unterschiedlichen Facetten verkörpert Biedermann glaubwürdig. Sie berührt die Herzen der Zuschauer mit ihrer Spielfreude und selbst wenn ihr das ein oder andere Schimpfwort aus dem Munde kommt, kann man ihr nicht böse sein – immerhin gibt es die Rolle auch so vor!

„Rita will´s wissen!“ – ein Stück mit Tiefgründigkeit, ohne jedoch den berühmten „Zeigefinger“ zu erheben!

Bis zum 28.6.2015 ist das Stück noch zu sehen!

Informationen unter:

www.schauspielbuehnen.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Schauspielbühnen Stuttcart

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)