Tabaluga und die Zeichen der Zeit – Showbericht

Tabaluga und die Zeichen der Zeit – live in der Stuttgarter Schleyerhalle

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Wer kennt ihn nicht, den kleinen grünen Drachen Tabaluga, der die Herzen der Menschen im Sturm eroberte?! Als 1983 Tabalugas erstes musikalisches Abenteuer erschien, „Tabaluga oder die Reise zur Vernunft“, war noch längst nicht absehbar, wie groß einmal der Erfolg dieser Märchenfigur werden würde. Einst von Sänger Peter Maffay,  Liedermacher Rolf Zuckowski sowie Textautor Gregor Rottschalk erdacht, umfasst die Welt des kleinen Drachens mittlerweile ein ganzes Imperium. So folgten nicht nur weitere musikalische Veröffentlichungen rund um „Tabaluga“, zu nennen wären die Konzeptalben „Tabaluga und das leuchtende Schweigen“ (1986), „Tabaluga und Lilli“(1993), welches der Titelgeber für die erste große Tabaluga Live Tournee war, die im Jahr 1993/94 stattfand, „Tabaluga und das verschenkte Glück“(2003) sowie zuletzt „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“(2011).  Es gibt zwischenzeitlich noch „Tabaluga tivi“, das seit 1997 in ZDF tivi ausgestrahlt wird, dazu noch eine 3 Staffeln umfassende Zeichentrickserie, die Tabalugas Leben in Grünland sowie seine Abenteuer zeigt. Ob Bücher, Stoffdrachen, Tassen oder Badetücher, auch das Merchandising rund um Tabaluga ist unerschöpflich.

Doch der kleine Drache wurde im Laufe der Jahre, bzw. Jahrzehnte älter und so beschäftigt ihn bei seiner aktuellen Reise die Suche nach der Zeit. Was ist die Zeit? Kann man diese anhalten oder gar abschaffen? Man kann die Zeit dehnen, sie verkürzen oder verlängern – doch kann man sie greifen oder begreiflich machen? Diese pathetische Frage versuchen nun auch Peter Maffay und sein Team live auf der letzten großen Tabaluga Tournee zu beantworten. „Alles im Leben hat seine Zeit“, so lautet das finale Lied Peter Maffays und leider ist die Zeit für Tabaluga wohl abgelaufen, denn im Vorfeld zur Tournee betonte Maffay stets, dass dies wirklich das letzte Abenteuer des kleinen Drachens sein sollte. So ist es auch kein Wunder, dass die vielen Konzerte der Deutschlandtour restlos ausverkauft sind und dass sogar Zusatzkonzerte angeboten wurden.

Doch auch wenn seit der ersten großen Tabaluga Tour geschlagene 19 Jahre vergangen sind, so glaubt man sich als Zuschauer doch wieder zurückversetzt in diese Zeit, in der man live miterlebte, wie Tabaluga das Licht der „Bühnen“Welt erblickte, wie er auf seiner Reise so allerlei skurrile Gestalten traf, darunter den Mond, den Kratermann, den fiesen Schneemann Arktos sowie seine so heiß geliebte Eisprinzessin Lilli. „Die Zeit hält nur in Träumen an“ – auch dieser Titel trifft das Gefühl der letzten Tournee passend – befindet man sich in einem Traum oder ist das Gesehene real? So hat sich der kleine Drache natürlich nicht verändert, zwar wurde sein Erscheinungsbild durch goldene Perlen, die  das Kostüm verzieren, etwas aufgefrischt, doch das Interagieren Tabalugas mit den weiteren Bühnencharakteren ist immer noch so herzerquickend wie vor 19 Jahren. Wer damals ein Kind war, bringt nun evtl. schon seine eigenen Kinder mit. Und selbst die meist ach so vernünftigen Erwachsenen werde in dieser Show noch einmal zu Kindern. „Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben“ – diese Zeile aus dem Lied „Nessaja“ wurde für Peter Maffay und sein Team zu einer Lebenseinstellung. Nur wer es noch als Erwachsener schafft, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten, ist in der Lage richtig zu leben und die Welt zu verstehen. Das Leben prägt einen und genau diese Erfahrung muss auch Tabaluga machen. So verlor er im ersten Live Musical „Tabaluga und Lilli“ seinen geliebten Vater Tyrion. Doch dieser begleitet ihn auch weiterhin und taucht auch in „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ wieder auf. Dazu bekennt er „Ich hatte keine Zeit für dich“. Insgesamt nimmt Tabaluga in diesem neuen Stück die Zuschauer auf eine Reise mit, bei der ihm doch so einiges klar wird. An seiner Seite ist kein Geringerer als der Magier, gespielt von Rufus Beck, der bereits 1993 diese Rolle verkörperte und nun auch für die Regie zuständig ist. Oftmals spricht der Magier in Rätseln, doch am Ende wird Tabaluga klar, was die Zeit ist.

Bis dahin lernt er von den Persönlichkeiten, die er auf seinem Weg trifft.

Als da wären der Tod höchstpersönlich (gespielt von Jörn Knebel), der eher als eine Parodie mit langer Rübennase und clownesque erscheint, so dass die Kinder sich sicherlich nicht vor dessen Antlitz fürchten werden, die verführerische Kameliendame auf dem orientalischen Bazaar (Sissy Perlinger übernahm die Rolle in Stuttgart), die Eintagsfliege, die Tabaluga deutlich macht, wie schnell das Leben vorbei sein kann (Charlotte Klauser), die Kontraste schlechthin: Die Schnecke (erneut Charlotte Klauser) sowie der Hase (Leon Taylor), welche davon überzeugt sind, dass sie die Zeit jeweils im richtigen Tempo nutzen, ob nun eben langsam oder schnell, der Zeitverschwender (Kader Kesek), der Löwe (Peter Keller) und der Panther (Pascal Kravetz), die Reichtum und Macht demonstrieren und sich alles damit kaufen können, das Zebra (Jörn Knebel), welches so gerne ein Pferd wäre und dadurch im Gefängnis landet, der Kuckuck (in Stuttgart als Stargast Laith Al Deen) mit seinen vielen Kindern oder natürlich last but not least, Tabalugas „Geliebter Feind“ Arktos (Heinz Hoenig). Was wäre die Welt ohne Kontraste oder Feinde? Dies wird auch unserem kleinen Drachen bewusst und er merkt, dass man sich mit Geld zwar alles leisten kann, doch die Zeit kann man damit nicht beeinflussen. Und auch wenn Arktos zum großen Aufstand ausruft und die Zeit abschaffen möchte wird schnell klar, dass dieses Unterfangen unmöglich ist. Der Lauf der Zeit ist klar strukturiert, dies kommt sehr schön durch den Auftritt der vier Jahreszeiten zum Vorschein. In dem beschwingten Titel der vier Jahreszeiten wird einem vor Augen geführt, wie klar doch das Jahr eingeteilt ist. Dabei wird der Winter als hart und mit Hardrockklängen symbolisiert, der Herbst als gutgelaunter Igel gezeigt, der Frühling  als Schmetterling und der Sommer als Bienenkönigin mit lateinamerikanischen Rhythmen.

Auf Tabalugas Reise taucht immer wieder eine grazile Mädchengestalt in einem weißen Kleid auf, die als Ballerina über die Bühne tanzt. Am Ende des Stückes entpuppt sich diese Erscheinung als die Zeit persönlich. Tabaluga hat es also geschafft, er findet die Zeit und die Zeit findet ihn. Und so erfüllt die Zeit ihm noch einen großen Herzenswunsch, nämlich den Moment in seinem Leben, der führ ihn der Wertvollste war und das war der Tanz mit Lilli – so ist es nicht verwunderlich, dass der Auftritt von Mandy Capristo als Eisprinzessin „Lilli“, die zusammen mit Peter Maffay im Duett „Die Zeit hält nur in Träumen an“ singt, zum Highlight des Abends wird. Rote Rosenblätter regnen auf die beiden herab und Tabaluga darf noch einmal den glücklichsten Moment seines Drachenlebens erleben. Doch selbst die Zeit hat jemanden, der über ihr steht und der über sie bestimmt – nein, nicht der Tod, sondern nur einer, der namentlich nicht genannt wird, doch von dem man genau weiß, wer gemeint ist: Gott selbst als Herr der Zeit sowie des gesamten Lebens und der Erde!

Ein ergreifendes Ende das einen auch nachdenklich zurücklässt. Und obwohl das Musical unterhaltend, bunt und mitreißend ist, so hat es doch eine unmissverständliche Botschaft: Die Zeit läuft unaufhaltsam weiter und man kann sie nicht aufhalten. Man merkt auch, wie stark sich Peter Maffay mit dem Thema Zeit auseinandersetzte und wie sehr es ihn persönlich beschäftigte. Dass nun diese ernste Thematik auf eine Märchenfigur übertragen wurde, ist ein mutiger, wenngleich auch sehr wertvoller Schritt. So wird das Thema aufgegriffen ohne den berühmten erhobenen Zeigefinger. Und dennoch denkt man unbewusst über die Zeit seines eigenen Lebens  nach, wenn man das Stück verlässt.

„Dazu sind Freunde da“, auch dieses Motto sieht man direkt, wenn man Peter Maffay sowie alle weiteren Charaktere, die auf und hinter der Bühne tätig sind, beobachtet. Eine ehrliche Freundschaft sorgt dafür, dass dieses Projekt so erfolgreich ist und dass der kleine Drache Tabaluga noch einmal die größten Bühnen Deutschlands erobern konnte. Peter Maffay hat ein Stück Zeitgeschichte geschrieben. Es ist ihm wahrlich gelungen, seinen Tabaluga unsterblich zu machen und so werden noch viele Generationen die Abenteuer des kleinen Drachen gespannt mitverfolgen.

Danke, Peter Maffay und seiner Band sowie allen, die bei dem Projekt „Tabaluga“ jemals beteiligt waren!

Bericht und Fotos: Franziska Maier

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)