“Sextett” – das neue Stück in der Komödie im Marquardt Stuttgart

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel…“

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Premiere des neuen Stückes „Sextett“ in der Stuttgarter Komödie im Marquardt

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum andern…“, Connie Francis`Lied aus dem Jahre 1964 passt perfekt zur neuen Komödie „Sextett“, die am 26.09.2015 Premiere feierte. Das Stück, welches von Michael Pertwee, einem der berühmtesten Komödienautoren Englands verfasst wurde, zeigt doch sehr passend auf, inwiefern Beziehungen das Leben eines Menschen komplett verändern und auf den Kopf stellen können.

Schauplatz der Handlung ist Roger Ashleys (gespielt von Markus Angenvorth) Segelboot. Wie in jedem Sommer möchte er dort einen erholsamen Urlaub verbringen. Allerdings nicht allein. Mit an Bord gehen Valerie Lang (Stephanie Theiß) sowie deren tollpatschiger Ehemann Denys (Axel Weidemann) – dieser ist seines Zeichens Mitarbeiter von Roger und er ahnt nicht, dass sein Chef mit seiner Frau eine Affäre hat. Zu dem illustren Trio gesellt sich noch Philip Dawson (Michael Hiller), er ist ein langjähriger Freund von Roger und eigentlich schon lange verheiratet. Dennoch zieht er es vor, mit seiner jungen Liebschaft, der erst 21jährigen Blondine Mercy Brown (Maja Sikora), den Urlaub zu verbringen. Kurz vor dem Ablegen betritt noch ein weiterer Gast das Schiff: Lisa Ashley (Maja Müller), Rogers Ehefrau – sie komplettiert das „Sextett“ und versucht mit ihrem unverhofften Auftauchen, ihre zerrüttete Beziehung mit Roger zu retten.

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass auch Philipp sehr an Lisa interessiert ist und auch Roger kann seine Liaison mit Valerie nur sehr schwer verheimlichen. Durch die komplizierten Verhältnisse an Bord fällt es kaum auf, dass Denys zu einem richtigen Tollpatsch mutiert und von einem Missgeschick zum nächsten stolpert. Erst verliert er seine Kontaktlinsen und stößt sich an fast allem, was seinen Weg kreuzt an, fällt über Stufen oder dieselbigen hinab, zu guter Letzt verschluckt er noch eine seiner Kontaktlinsen, die Mercy zufällig auf dem Boden fand und um sie zu retten, in ein Glas legte, welches Denys dann als Trinkglas nutzte. Dass die Kontaktlinse auch wieder auf „natürlichem Wege“ zum Vorschein kommen wird und Philip Denys den guten Rat erteilt, dass er sein „Geschäft“ mit einer Bratpfanne auffangen solle, was er auch zum Entsetzen Rogers tut, da es die einzige große Pfanne an Bord ist, sorgt für große Lacher beim Publikum. Allgemein überschlagen sich die Geschehnisse an Bord des Sextetts – Valerie und Philip sind Verbündete im Geist, jedenfalls was ihre Leidenschaft für das Ehepaar Ashley angeht. Sie gestehen sich gegenseitig, dass sie Lisa, bzw. Roger lieben. Und Valerie gibt zu, dass sie ihren Mann Denys nur loswerden möchte, daher auch dessen „zufällige Beförderung“, so dass er zukünftig in Afrika arbeiten soll und der Weg für sie und Roger damit frei wird.

Doch wie heißt es so schön: Wer zuletzt lacht, lacht am besten! Die junge Mercy zieht es am Ende vor, von Bord zu gehen und sich anderen Herren zuzuwenden, Denys macht ebenfalls eine interessante Wandlung durch und was aus den beiden Paaren wird…dies wird an dieser Stelle nicht verraten.

Ulf Dietrichs Inszenierung des Stückes ist von der ersten bis zur letzten Minute temporeich und gespickt mit Humor. Dabei sind es keine platten Gags, sondern oftmals die feinen Details, die das Publikum zum Lachen bringen. Wenn Denys mit dem Buch „Darm mit Charme“ auf der Bühne sitzt und sich Gedanken macht, wie er wohl am schnellsten seine Kontaktlinse wiederbekommen könnte oder wenn sich Philip und Valerie ein reines Feuerwerk der Sprichwörter liefern. Auch die Erotik kommt nicht zu kurz. So ist in diesem Stück auch nackte Haut zu sehen – wenn sich Mercy und Lisa an Deck bräunen und ihre Tops ausziehen, dann sieht man die beiden Darstellerinnen in der Tat oben ohne – zur Freude der männlichen Zuschauer. Jedoch muss man auch als Frau neidlos zugeben, dass die beiden Protagonistinnen sich durchaus sehen lassen können mit ihren wohlgeformten Körpern.

Dietmar Teßmanns Bühnenbild ist ein kleines Meisterwerk. Auf der doch vom Platz her sehr begrenzten Bühne zauberte er ein komplettes Segelboot – man sieht die Kajüte, inklusive Sitzecke sowie ein kleines „Abstellräumchen“, welches Philip und Mercy zugewiesen wird. Dieses ist so winzig, dass sich der geplante Liebesakt der beiden aufgrund des mangelnden Platzes schnell zerschlägt.

Auch die Besetzung hätte nicht passender sein können. Axel Weidemann mutiert als tapsiger „Denys“ schnell zum Liebling des Publikums. Er hat die volle Sympathie und die Lacher auf seiner Seite. Als tollpatschiger, hilfloser sowie betrogener Ehemann stolpert er im wahrsten Sinne des Wortes durch das Stück. Auch wenn er krebsrot vor lauter Sonnenbrand auf der Bühne auftaucht, gibt es kein Halten mehr – Zwischenapplaus ist hier garantiert.

Kein Unbekannter an den Stuttgarter Schauspielbühnen ist Markus Angenvorth, alias „Roger“. Er war schon in zahlreichen Stücken, wie u.a. „Der Vorname“ oder „Romy“ zu sehen und er verkörpert den zwiegespaltenen Roger perfekt.

Auch Michael Hiller ist dem Stuttgarter Publikum wohlbekannt, seine Darstellung des Hallodris „Philip“, der sich eine junge Gespielin angelte und dabei seine Angebetete „Lisa“ dennoch nicht aus den Augen lässt, passt zu Hiller und auch am Ende, bei seiner Gesangseinlage stellt er unter Beweis, dass er ein Allrounder ist.

Die drei Damen des „Sextett“ sind den treuen Besuchern der Stuttgarter Schauspielbühnen ebenfalls wohl bekannt:

Stephanie Theiß als „Valerie“, die mit ihrem Lachen für Lacher im Saal sorgt und mit ihrer besonderen Stimme nicht nur für reine Sprech, sondern auch für vielzählige Gesangsrollen engagiert wurde – so war sie u.a. in Musicals, wie „Blue Jeans“ oder „Anatevka“ zu sehen.

Auch Maja Sikora ist nicht nur ein Schauspiel, sondern ebenfalls ein Gesangstalent. Sie schloss 2011 ihr Musical-Studium ab und stand bei „Kiss me, Kate“ oder „Sweet Charity“ auf der Bühne. Die Blondine „Mercy“ passt perfekt zu ihr, etwas naiv, mit ihren Reizen nicht geizend und provokant – dabei macht Sikora stets eine perfekte Figur in ihren knappen Kleidungsstücken.

Maja Müller, „Lisa Ashley“, ist zum dritten Mal an den Schauspielbühnen zu Gast. Sie wirkte in „The kings speech“ oder „Der Kaufmann von Venedig“ mit und zeigt in diesem Stück nicht nur viel Körpereinsatz, sondern eine wahrhaft ansteckende Spielfreude.

Das Stuttgarter „Sextett“ harmoniert perfekt auf der Bühne und es ist eine wahre Freude, dieses Stück anzusehen. Der Titel könnte so manch einen konventionellen Theaterbesucher etwas abschrecken – natürlich geht es um die Liebe, aber es ist keine schlüpfrige Komödie, sondern ein Stück mit Humor und Niveau – mit Sarkasmus und den kleinen sowie großen Problemen des Alltags. Ein jeder kann sich evtl. mit einem der Protagonisten identifizieren – der draufgängerische Philip, der tollpatschige Denys, die junge verführerische Mercy, die Ehefrau, die ihre Beziehung retten möchte: Lisa – die Affäre Valerie oder der hin und hergerissene Ehemann Roger.

Eine Geschichte, die das Leben schrieb und die nun natürlich etwas überspitzt auf die Bühne gebracht wurde.

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Erleben auch Sie noch dieses humorvolle „Sextett“- das Stück läuft noch bis zum 15. November 2015!

Infos: www.schauspielbuehnen.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)