WEST SIDE STORY – THEATER PFORZHEIM

WSS Jets Sharks
Seit seiner Uraufführung am 26. September 1957 ist West Side Story von den Musicalbühnen der Welt nicht mehr wegzudenken und immer wieder ein Garant für Erfolg. Nun hat sich auch das Theater Pforzheim an die Umsetzung dieses brisanten Stoffes gemacht und eine gelungene Inszenierung auf die Bühne gebracht.

Zugunsten der wandelbaren Bühne musste das Orchester in den Hintergrund auf die Hinterbühne weichen. Leider rückt dadurch auch der Orchesterklang in den Hintergrund, so dass speziell die Percussiongruppe nur sehr verhalten im Zuschauerraum ankommt. An bestimmten Stellen vermisst man den gewohnten „Rums“ oder Beat. Die Hauptdarsteller sind dagegen sehr gut abgemischt ohne zu sehr in den Vordergrund zu dringen. Das Ensemble dagegen lässt bei einigen Passagen zu wünschen übrig. Vor allem die Männer kommen das eine oder andere Mal zu schwach rüber („Jet Song“, „Cool“), dagegen können die Frauen bei „I want to be in America“ oder „I feel pretty“ punkten. Auch bei „Tonight – Quintett and Chorus“ war der Klang sehr ausgewogen und die verschiedenen Parts gut zu hören.

Damit die Szenenwechsel in den verschiedenen Locations schnell gehen und auch klar wird, was gerade wo passiert, hat man sich verschiedener Bühnenelemente bedient. So ist der vordere Teil, wo normal der Orchestergraben ist, mal Kampffläche, mal Drugstore. Der Boden verschwindet während des Stückes immer wieder nach unten und kommt mit neuen Requisiten wieder herauf. Auch die Mittelbühne wird je nach Szene immer wieder nach oben oder unten gefahren. Insgesamt wird mit einfachen aber effektvollen Mitteln immer wieder eine neue Szene geschaffen. Auch die Balkonszene mit Maria und Tony ist mit dem Treppengerüst an der Bühnenseite gut gelöst. Es sieht aus wie eine der Feuerleitern, die in den USA gang und gäbe sind. Hier hat Dirk Steffen Göpfert, der auch für die gelungenen Kostüme verantwortlich zeichnet, hervorragende Arbeit geleistet.

Julian Culemann gibt einen sehr gefühlvollen Tony. Egal ob netter Junge, mutiger Schlichter oder unsterblich Verliebter – er meistert alle Facetten dieser Rolle perfekt. Natasha Young als Maria besticht mit ihrem klaren und reinen Sopran und macht Ihre Parts zum akustischen Genuss.

Auch Jula Zangger als Anita kann in jeder ihrer Szenen mit perfekter Stimme punkten. Ihre schauspielerischen Qualitäten zeigt sie vor allem in der beklemmenden Szene, in der sie von den Jets vergewaltigt wird und anschließend aus Wut den Tod Marias verkündet.

Bei den Damen-Ensembles der Jets (Antonia Schirmeister, Giulia Cenni, Gitte Pleyer, Charloote Eikmeyer, Anastasia Shivrina, Aline Münz, Chiara Schmitt) sticht vor allem Jasaman Roushanaei als freche Anybody´s heraus. Sie will unbedingt zu den Jungs der Gang gehören, was sie irgendwann durch ihre große Klappe und viel Geschick auch schafft.

Die Damen der Sharks (Danielle Rohr, Martina De Dominics, Jennifer Göbel, Jura Wanga, Samira Brosi, Carlotta Squeri, Letizia Vella) können neben Maria und Anita mit hervorragenden Stimmen und gutem Spiel ebenso überzeugen wie die Konkurrentinnen der Jets.

Die Herren-Ensembles der Jets (Tobias Bode, Mario Radosin, Timo Beyerling, Patrick Nitschke, Johannes Blattner, Jacob Gomez Ruiz, Davide Guarino) und der Sharks (Janko Danailow, Eduardo Novelli, Alexander Mehnert, Yamil Ray, Tu Ngoc Hoang, Roger Molist Puigdoménèch, Till Dammann, Samuel Karim-Lawani) singen, spielen und tanzen sich sehr gut, problemlos und überzeugend durch das Stück. Hervorzuheben sind die tollen Tanz-und Kampfszenen (Choreografie Guido Markowitz), die perfekt auf die jeweilige Situation und das Raumangebot der Bühne abgestimmt sind.

Das Duo Officer Krupke (Leandro Natalicio Fischetti), Inspector Schrank (Cornelius Burger) und Glad Hand (Thorsten Klein) als Helfer sind durch das gesamte Stück immer wieder präsent, versuchen Ordnung in ihr Revier zu bekommen, scheitern aber regelmäßig an den Gangs.

Doc, gespielt von Markus Löchner, ist die gute Seele des Stückes. Er versucht immer wieder, die Gangs zu Vernunft zu bringen und ihnen zu vermitteln, dass Kriege und Kämpfe keine Lösung sind. Leider kommt er gegen die Sturheit, den Hass und Aggression der „Halbstarken“ nicht an und kann auch den Tod von Riff, Bernardo und Tony nicht verhindern.

Etwas befremdlich ist, dass die Songs teils auf Deutsch, teils auf Englisch gesungen werden und bei manchen sogar innerhalb des Songs zwischen Deutsch und Englisch gewechselt wird. Da auch die englischen Passsagen phonetisch hervorragend verständlich gesungen werden, hätte man auf die deutschen Texte verzichten können. Da die gesprochenen Texte sowieso auf Deutsch sind, ist der Handlung auch so sehr gut zu folgen.

Die Badische Philharmonie Pforzheim spielt sich unter der Leitung von Markus Huber gelungen durch die sehr anspruchsvolle Partitur Leonard Bernsteins und macht den Abend auch musikalisch zu einem Hochgenuss.

Insgesamt verspricht die Inszenierung von Thomas Münstermann und die Dramaturgie von Thorsten Klein Unterhaltung auf hohem Niveau. Die Thematik des Stückes ist heute leider immer noch aktuell. Aus politischen oder religiösen Gründen ist weltweiter Terror und Krieg an der Tagesordnung.

West Side Story“ im Theater Pforzheim; Infos und Tickets unter www.theater-pforzheim.de

Fotos: Theater Pforzheim

WSS Jets  WSS Anita  WSS Jets 2  WSS Maria Chino

Sabine Boehm

Sabine Boehm

Verantwortliche für Flashing-Light Mitglied bei der DFJV (Deutscher Fachjournalisten-Verband AG) Kontakt: Sabine.Boehm@flashing-light.de Flashing Light ist eine rein ehrenamtliche Seite, keiner der Blogger übt diese Tätigkeit hauptberuflich aus. Es handelt sich um eine unentgeltliche Beschäftigung. Dies betrifft ebenfalls die Verantwortlichen und Webmaster!