Zeitloser Evergreen, der begeistert: Die Feuerzangenbowle

Zeitloser Evergreen, der begeistert:

„Die Feuerzangenbowle“

FZB-Presse2

Wer erinnert sich nicht gerne zurück an seine Schulzeit? Oftmals zwiespältig von jedem wahrgenommen – mal angenehm, spaßig und voller positiver Erlebnisse, aber auch gleichzeitig spürt man noch ganz genau das Gefühl, das man vor einer Klassenarbeit oder Abfrage hatte – Angstschweiß, Probleme und Sorgen. Ja, die Schüler haben es nicht immer leicht! Schüler? Pardon, die „Schöler“, um mit dem Akzent eines der wohl berühmtesten Lehrkörpers der Filmgeschichte zu sprechen. Die Rede ist von keinem Geringeren als „Prof. Crey“, alias „Schnauz“, der eine Klasse von Oberprimanern zu bändigen hat. Nicht nur die Schüler haben also mit der Schulzeit zu kämpfen, auch die Lehrer können tagtäglich einen Kampf der besonderen Art ausfechten.

Was wäre die Schule ohne die Lehrer…diese Individuen, die einen prägen, ob nun auf positive oder negative Art und Weise. Lehrer, geliebt und gefürchtet zugleich. Für viele ist ihr Lehrerdasein eine Berufung, doch für manch einen kann es auch zur Hölle werden.

Heinrich Spoerl zeigt in seinem wohl bekanntesten Werk „Die Feuerzangenbowle“, die gleich dreimal verfilmt wurde (1934 bereits mit Heinz Rühmann unter dem Titel „So ein Flegel“, 1944 folgte dann, erneut mit Rühmann als „Pfeiffer“ die bekannteste Verfilmung und in den 70er Jahren konnte ein weiteres Remake nicht mehr an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen), wie unvergesslich doch die Schulzeit sein kann. Spoerl verarbeitete in seinem Buch unter anderem Erinnerungen an seine eigene Schulzeit und daher wählte er auch eine passende Rahmenhandlung für sein Werk: Dr. Johannes Pfeiffer (Tommaso Cacciapuoti), erfolgreicher Schriftsteller, von allen angesehen, sinniert mit Freunden bei einem Glas Feuerzangenbowle über die Vergangenheit. Dabei kommen die anderen auf ihre Schulzeit und die unvergesslich kauzigen Lehrer sowie die Streiche, die man ihnen spielte, zu sprechen. Pfeiffer kann nicht mitreden, da er von einem Privatlehrer unterrichtet wurde und so entsteht der Plan, dass er noch einmal die Schulbank drücken soll: Als Hans Pfeiffer, mit „drei F“, besucht er nun die Oberprima eines Gymnasiums und lernt dabei den Alltag eines Schülers kennen. In seiner Klasse sind die Hierarchien klar verteilt: Rosen (Lukas König) führt die Klasse an und sorgt dafür, dass der kleine Luck (Serjoscha Ritz) oftmals ein Mobbing Opfer wird. Husemann (Ole Xylander) und Rudi Knebel (Korbinian Josef Müller) stehen Rosen bei seinen Streichen und Scherzen, die sich auch gegen die Lehrkörper richten, bei. Pfeiffer wird von der Gruppe aufgenommen, besonders nachdem er eindrucksvoll zeigt, dass er der Kampfkunst mächtig ist und sich wehren kann.

 

FZB-Presse3

Die Lehrer sind allesamt „Typen“, wie sie im Buche stehen: Schnauz, also Prof. Crey (Aki Tougiannidis), der für Deutsch, Geschichte oder Chemie (die bekannteste Szene mit der alkoholischen Gärung sorgt für große Amüsement und Sonderapplaus im Publikum) zuständig ist, Prof. Bömmel (Ernst Wilhelm Link), der stundenlang über seine „Dampfmaschin“ sinnieren kann und zwei verschieden farbige Socken trägt, steht eher für das Bild des antiautoritären Lehrers und Direktor Knauer (Peter Kempkes) treibt die Oberprima vor dem Matheunterricht zur Leibesertüchtigung an. Da wäre außerdem noch das Fräulein Eva (Deborah Müller), ihres Zeichens Referendarin und Tochter des Direktors, die von den Schülern nur liebevoll „Loreley“ genannt wird, da sie dieses Lied im Musikunterricht am liebsten anstimmt. Eva und Pfeiffer finden zusammen, wobei sich hier nun der Handlungsstrang des Filmes und des Theaterstückes etwas unterscheidet. Im Film geht Eva noch zur Schule, auf das Mädchen Lyzeum, dass sie nun hier Referendarin ist, lässt die Lage etwas prekärer ausfallen, da ja offensichtlich bekannt ist, dass Lehrer und Schüler keine Beziehung eingehen dürfen. Doch dieses Wort wäre etwas vermessen für die kleine zarte Liebelei der beiden Protagonisten. Mehr als ein Kuss ist nicht zu sehen. Ein paar weitere kleine Veränderungen sind in Wilfried Schröders Bühnenfassung ebenfalls unternommen worden. In Michael Hillers Inszenierung steht eindeutig der Fixpunkt auf den Unterrichtsszenen. Diese bilden das Herzstück und sind natürlich auch am Unterhaltsamsten. Die verschiedenen Charaktere kommen hervorragend zur Geltung und Barbara Kotts Bühnenbild ist so funktional, dass innerhalb weniger Sekunden die Bühne vom Klassenzimmer zu Pfeiffers kleinem Gästezimmer umfunktioniert wird. Dieses Gästezimmer wird von Frau Windscheid verwaltet, gespielt von Norbert Aberle, der auch noch in zwei weiteren Rollen brilliert. Seine kauzige Hausfrau, die doch einen großen Gefallen an den jungen Burschen gefunden hat, ist ebenfalls ein Highlight des Stückes. Des Weiteren wurde hier noch die schwäbische Sprache integriert, was den Charakter noch ausdrucksstärker erscheinen lässt.

Insgesamt ist jede Rolle des Stückes perfekt besetzt. Tommaso Cacciapuoti als „Pfeiffer“ ist kein Rühmann Imitator, er hat dennoch durchaus den Charme des „Originals“ und versteht es, die Rolle des „Flegels“ sowie des charmanten Schriftstellers brillant zu mimen. Auch seine „Schülerkollegen“ sind Individuen und passen exakt in ihr Rollenprofil. Die Lehrer stellen natürlich noch eine Liga für sich dar. Aki Tougiannidis als „Schnauz“ mit seiner ganz eigenen Aussprache, ist eine wahre Bereicherung des Stückes. Er hat sein „Vorbild“ des Filmes hervorragend studiert und trifft den Akzent beinahe einwandfrei. Dasselbe gilt für Ernst Wilhelm Link als „Bömmel“.

Wer gerne in Erinnerungen schwelgen oder einfach noch einmal diese unvergessliche Schulgeschichte Heinrich Spoerls erleben möchte, der ist in der Stuttgarter Komödie im Marquardt perfekt aufgehoben und erlebt Unterhaltung auf höchstem Niveau!

Bis zum 20. März können auch Sie noch erfahren, wie eine „Dampfmaschin“ funktioniert oder was es mit der „alkoholischen Gärung“ so auf sich hat!

 

FZB-Presse6

Weitere Infos unter:

www.schauspielbuehnen.de

 

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Jürgen Frahm

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)