Liebe, Lügen, Lampenfieber

“Liebe, Lügen, Lampenfieber” oder: Wie schön ist das Theaterleben…

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Alte Liebe rostet nicht – oder: Was sich liebt, das neckt sich! Derartige Sprichwörter passen perfekt zum neuen Stück „Liebe, Lügen, Lampenfieber“, das in der Stuttgarter Komödie im Marquardt Premiere feierte. Wobei das letztere Sprichwort etwas abgeändert gehört: „Was sich liebt, das hasst sich, das bekämpft sich, das beschimpft sich….“

In Josiane Balaskos Komödie wird der alltägliche Wahnsinn des Theaterlebens passend dargestellt. So befindet sich Regisseur Leon (Markus Majowski) in einer ziemlich prekären Situation: Ausgerechnet am ersten Probentag lässt ihn seine Hauptdarstellerin im Stich, da sie wegen Schwangerschaft dauerhaft ausfällt. Eine neue Darstellerin muss her, doch obwohl die Liste der möglichen „Ersatzspielerinnen“ lang ist und sich wie das „Who is who“ der Schauspielbranche liest, findet er einfach nichts Passendes. Wie gut, dass es den gewieften Manager Sylvestre (Axel Weidemann) gibt, der sofort eine ganz besondere Dame im Kopf hat: Keine Geringere als Gigi Ortega (Ulrike Mai)ist nun für die Rolle vorgesehen. Der einstige Star ist allerdings ganz schön heruntergekommen und nicht nur der „Zahn der Zeit“ nagt an ihr, sie ist trockene Alkoholikerin und hat außerdem ein massives Problem mit ihrem Co-Darsteller Hugo (Jürgen Mai), der einst ihr Liebhaber war.

Damit Gigi überhaupt die Rolle übernimmt, muss Sylvestre tief in die Trickkiste greifen – er gaukelt ihr vor, dass Hugo schwer an Krebs erkrankt sei und seine letzte Rolle an der Seite der Frau spielen möchte, die er tief im Innern immer noch liebt. Hugo hingegen wird von Sylvestre vorgemacht, dass Gigi nicht einmal mehr genügend Geld für ihr Leben habe und sie diese Rolle dringend benötige. Natürlich fliegt der Schwindel auf und die beiden Protagonisten berhalten sich wie Hund und Katze. Ganz zum Leidwesen von Leon, der im Verlauf der Proben immer mehr verzweifelt. Doch nicht nur die Streitereien machen ihm zu schaffen, viel schlimmer wird es noch, als Hugo und Gigi ihre alte Liebe wieder aufkeimen lassen und das Blatt sich komplett wendet…erneut muss ein Plan her und wer könnte da besser das Zünglein an der Waage spielen als Sylvestre…?!

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Manfred Langner inszeniert die französische Komödie temporeich und kurzweilig. Das Bühnenbild, das ebenfalls Manfred Langner, gemeinsam mit Alexander Roy entwarf, gewährt dem Publikum zu Beginn des Stückes Einblicke in die Welt hinter der Bühne, ein einfacher Tisch, ein paar Stühle – mehr braucht es nicht, um zu zeigen, dass es hinter den Bretter, die die Welt bedeuten, nicht immer sehr glamourös aussieht und zugeht. Im Verlauf des Abends jedoch verwandelt sich die Bühne zur eigentlichen Kulisse des “Stückes im Stück”, so werden durch einfache Bauteile die Fassaden eines Zimmers aufgebaut, ein Schreibtisch, zwei edle Stühle und das ein oder andere Accessoire und schon ist vom tristen Bild des Bereiches hinter der Bühne nichts mehr zu sehen. Es wird dem Zuschauer dadurch eindrucksvoll simuliert, wie stark doch eine Kulisse den gesamten Flair auf der Bühne verändern kann.

Genauso, wie sie die Bühne in den rund 2,5 Stunden verändert, so verändern sich auch die Protagonisten auf ihr. Sie durchleben ihre Höhen und Tiefen, man leidet mit Gigi mit, die hin und hergerissen ist von ihren Gefühlen – Ulrike Mai brilliert als eine etwas in die Jahre gekommene Diva, vom Alkohol gebeutelt und dennoch sehr verletzlich. Hugo, der zwischenzeitlich mit seiner 30 Jahre jüngeren Geliebten Probleme hat (ein gelungener Scherz ist der Handyklingelton, der stets mit französischem Akzent “Hugolein” ruft, wenn seine Liebste durchklingelt) – Jürgen Mai stellt den etwas knurrigen Hugo ebenso glaubwürdig dar wie dann später im Stück den verliebten “Gockel”. Axel Weidemann als Hugos Manager, clever und dennoch tollpatschig, besonders wenn ihm die Fälle dahin schwinden und zu guter Letzt TV Star Markus Majowski, der als gebeutelter Regisseur Leon vom Optimist zum psychischen und physischen Wrack mutiert und das alles nur wegen seiner beiden Hauptdarsteller.

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Lassen Sie sich diese Komödie nicht entgehen – der Charme Frankreichs sowie Unterhaltung pur werden noch bis zum 15. Mai die Devise der Komödie im Marquardt sein – frei nach der Alliteration “Liebe, Lügen, Lampenfieber” lässt sich sagen: “Beachtlich, begeisternd – Bravo!”

 

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Jürgen Frahm

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)