Rockabilly im Friedrichsbau Stuttgart – back to the 50ies

Rockabilly im Friedrichsbau Stuttgart – back to the 50ies

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Die Gäste, die zur Zeit das Stuttgarter Friedrichsbau Varieté betreten, sehen teilweise etwas anders aus, als man es rein kleidungstechnisch bei uns gewohnt ist….Petticoat-Kleider und Pomade in den Haaren sind keine Seltenheit. Dazu erklingt passende Musik aus den Lautsprechern, Rock´n´roll aus den 50er Jahren stimmt einen auf den Besuch der Show “Rockabilly” ein.

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Und auch die Conférenciers des Abends Max Nix und Willi Widder Nix, die im wahren Leben Thomas Nigl und Markus Pfriemer heißen, passen perfekt ins Bild mit ihren glitzernden Anzügen und der Elvis “Gedächtnisfrisur”, jedenfalls beim grau melierten Max Nix. Willi Widder Nix besticht da eher mit fein gegeltem Mittelscheitel sowie einem herausragenden Wortschatz, insbesondere wenn er seinen gesprächigen Kollegen mit einsilbigem “Stimmt” antwortet. Die beiden Comedians haben den Rock´n´roll im Blut – so wird musiziert, gezaubert und gesportelt bei der aktuellen Show im Friedrichsbau. Treue Zuschauer kennen das Moderatoren Duo bereits aus vergangener Zeit, damals standen die beiden Herren noch mit zünftiger Tracht und Alphorn auf der Bühne. Dieses darf jedoch auch bei “Rockabilly” nicht fehlen, ebenso wenig Willis Jodelsolo, bei dem man ihm sogar den Mund zukleben muss, damit er endlich aufhört.

Doch wie passen nun die zwei “Blödelbarden” zu einer 50er Jahre Show mit hochkarätigen Akrobaten? Die Antwort liegt nahe: Sie moderieren nicht nur die Show, sondern bilden eindeutig deren Herzstück! Durch ihren Humor und die große Portion an Selbstironie schaffen es die beiden Künstler, das Publikum von der ersten Minute an zu begeistern und noch wichtiger: zum Lachen zu bringen! Humor ist Trumpf!

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“Tennessee – kenne Sie?”, lautet die Frage zu Beginn der Show? Natürlich dürfte jedem Fan der 50ies Memphis/Tennessee ein Begriff sein, so kam der “King of Rock´n´Roll” Elvis Presley von dort und nicht nur er…auch die Gäste des Abends stammen zufälligerweise alle aus Tennessee, wenngleich auch mit kleinen geographischen Abwandlungen. Da wären einmal Frau Schmidt und Toni Farello, aus Berlin/Tennesee, die mit Einradakrobatik und beinahe unmenschlicher Kraft überzeugen. Frau Schmidt, die kleine unscheinbare “Putzfrau”, entpuppt sich zur “Superwoman”, wenn sie ihren Partner in die Lüfte stemmt oder gemeinsam mit ihm auf dem Einrad Trampolin hüpft – sie jedoch balancierend auf dem Kopf Farellos! Auch als Tierimitatorin besticht Frau Schmidt, ob Meerschweinchen oder Eichhörnchen – jede Tierstimme sitzt.

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Aus Prag/Tennessee ist Fräulein Hildegard angereist. “Hildegard”, die in Wahrheit Anezka Bockova heißt, zeigt eindrucksvoll, dass Seilspringen viel mehr als ein nettes Kinderspiel ist. Stehend, sitzend, sogar rein auf dem Po hüpfend und in Windeseile wird hier das Seil geschwungen und das mit einer Leichtigkeit, die beinahe neidisch macht.

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Johnny B. Hoops aus Moskau/Tennesee macht seinem Namen Programm – die Hula Hoop Reifen gehören zu seiner großen Leidenschaft. Igor Boutorine, alias “Mr. Hoops”, lässt die Hüften kreisen wie seine Reifen. Und auch die Musik ist durchaus seine Leidenschaft. Während vorne ein artistischer Showact das Publikum unterhält, nehmen die restlichen Künstler der Show im Hintergrund den Platz der “Band” ein. Hier wird gerockt, geswingt und getrommelt – dazu teilweise Playback und live gesungen. So ist das Bühnenbild nie langweilig, an jeder Ecke passiert etwas und stellt somit auch eine gewisse Rahmenhandlung dar. Alle Artisten und Künstler des Abends treffen sich in einem Club – aus der Jukebox ertönt die Rock´n´Roll Musik und jeder Charakter übernimmt eine eigene Rolle im Club: Die Kellnerin, der Barkeeper, der Türsteher, die Gäste…die illustre Runde scheint auf den ersten Blick nicht sehr harmonisch, doch das Gegenteil ist der Fall.

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Zu sehen auch an einem weiteren Bürger “Tennessees”: Rocko Valentino (Valentino Bihorac) aus Rimini, der als cooler Aufreißertyp mit schwarzer Lederjacke die Herzen der Damen auf der Bühne zum Schmelzen bringt. Der Speedjongleur beweist, dass er nicht nur mit optischen Reizen bestechen kann. Er schwingt die Keulen, balanciert mit Bällen jeglicher Größe und kombiniert am Ende beides zu einer temporeichen Nummer. Des Weiteren singt er textsicher jeden Song des Abends am Bühnenrand mit.

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Eine Dame bildet den krönenden Abschluss der “Tennessee” Crew: Marie-Ann (Annie Smith) aus Quebec/Tennessee. In ihrer Rolle spielt sie einen Gast, der sich doch eichlich dem Alkohol verschworen hat, dennoch scheint ihr dies nichts auszumachen, denn spätestens, wenn Marie-Ann an ihrem Luftring schwebt, hat sie  Balance sowie eine enorme Körperbeherrschung. Nach unzähligen Umdrehungen steht sie immer noch aufrecht auf der Bühne!

Luigi

Einen Running Gag hat “Rockabilly” auch zu bieten – immer wenn auf der Bühne der Ort “Backnang” genannt wird – pardon, Backnang/Tennessee, erscheint der Koch “Luigi” (Tode Banjanski), ein “O sole mio” schmetternd und wird barsch wieder vom Moderatoren Duo hinter die Bühne verwiesen, ja am Ende sogar versehentlich bei einer Zaubernummer erschossen! Natürlich lebt Banjanski und tritt als großes Highlight der Show nach dem ersten Schlussapplaus als “Elvis” himself auf! Mit klarer Stimme und dem original Elvis Timbre stimmt er dessen große Hits an und beim Publikum gibt es kein Halten mehr. Standing Ovations quittieren einen gelungenen Abend, der einen auf humoristische Art in die 50er Jahre entführt und die Zeit auf ihre ganz eigene Art und Weise wieder aufleben lässt!

Bis zum 19.06.16 können Sie “Rockabilly” noch live im Friedrichsbau Varieté Stuttgart erleben! Weitere Infos,  auch zu Sondershows, erhalten Sie unter:

www.friedrichsbau.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Andreas Durm

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)