Don Camillo & Peppone im Theater St. Gallen

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Wer hat noch nicht von den Geschichten um Don Camillo und Peppone gehört. Sie sind die Hauptfiguren vieler Erzählungen und mehrerer Romane von Giovannino Guareschi, die auch mehrfach verfilmt wurden. Nun hat das Theater St. Gallen in Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Wien diese Geschichten als Musical auf die Bühne gebracht. Kein geringerer als Michael Kunze schrieb die Texte, die Musik stammt aus der Feder von Dario Farina. Dieses neue Meisterwerk feierte am 30.04.2016 im Theater St. Gallen eine umjubelte Weltpremiere.

Die Geschichte spielt im italienischen Dörfchen Boscaccio. Auf der einen Seite Don Camillo mit den wenig übrig gebliebenen Schäfchen, alles streng gläubige Christen, die unter der Diktatur Mussolinis gelitten haben und eine freie Demokratie herbeisehnen. Auf der anderen Seite der frisch gewählte kommunistische Bürgermeister Peppone, der mit einem Großteil seiner Bürger für die Ideale einer sozialen Revolution kämpft und die Kirche als finstere Macht sieht, die den Fortschritt aufhält. Mit viel Charisma und Witz tragen Con Camillo und Peppone ihre Fehde aus und sorgen für viele Lacher. Doch auch die Probleme einer gespaltenen Dorfgemeinschaft kommen nicht zu kurz. Im Mittelpunkt stehen hier Mariolino, Sohn des kommunistisch denkenden Brusco, und Gina, Tochter des der Kirche treuen Christen Filotti. Die Liebe zwischen Marolino und Gina besteht anfangs nur im Geheimen. Erst als die beiden am Ende versuchen, sich im Fluss umzubringen um so für immer vereint zu sein, aber zum Glück noch rechtzeitig von den Bürgern gerettet werden, haben die Väter ein Einsehen. Daneben keimt auch die Liebe zwischen der kommunistisch angehauchten Lehrerin Laura und dem christlichen Großvater Ginas, Nonno, durch das Stück weg auf. Nonno springt Laura zuliebe 2x dem Tod von der Schippe, auch wenn der Dorfarzt schon dabei war, den Totenschein auszustellen. Die Liebe zu der jungen Lehrerin haucht ihm jedes Mal neues Leben ein.
Durch den Selbstmordversuch Mariolinos und Ginas wird das Dorf letztendlich versöhnt und kann nach langer Fehde endlich wieder in Frieden zusammen leben. Durch das Stück als Erzählerin immer präsent ist die alte Gina, die die Geschichte ihres Dorfes erzählt.

Die alte Gina wird von Maya Hakvoort gespielt. In ihrer Maske als alte Dame ist sie nicht wiederzuerkennen und spielt ihre Rolle mit absoluter Überzeugung. Mit überragender Stimme erzählt sie die Geschichte und ist über das ganze Stück weg irgendwo auf der Bühne präsent.
In die Rolle Con Camillo ist Andreas Lichtenberger geschlüpft. Listenreich und wortgewandt spielt und singt er sich durch die Rolle und ist nicht nur stimmlich ein Genuss. Auch mit seiner Mimik, vor allem im Zwiegespräch mit Jesus, das er regelmäßig in der Kirche hält, kann er punkten.
Peppone wird von Frank Winkels gespielt. Mit seinem Sturkopf und der Unnachgiebigkeit ist er der Dauerfeind des Pfarrers. Auch er singt und spielt sich hervorragend und mit viel Witz durch seine Rolle
Als junge Gina steht Jaqueline Reinhold auf der Bühne. Mit klarer Stimme meistert sie alle Facetten der Rolle, vom verliebten Mädchen über die rebellische Tochter bis zur verzweifelten jungen Frau. Ihr zur Seite steht Kurosch Abbasi als Mariolino, der sich von seinem sturen Vater loszulösen versucht um mit Gina glücklich zu werden. Stimmlich ist er absolut überragend und spielt sich mit großer Präsenz durch die Rolle.
Die beiden Väter Filotti (Reinhard Brussmann) und Brusco (Thorsten Tinney) leben in großer Fehde, bis ihre Kinder versuchen, sich das Leben zu nehmen. Beide spielen und singen hervorragend den auf der einen Seite besorgten Ehemann und Vater und Rebellen auf der anderen.
Für viele Lacher und immer wieder herrlich anzusehen ist Walter Andreas Müller als Großvater Nonno. Seine Liebe, die Lehrerin Laura Castelli, wird von Femke Soetenga gespielt. Anfangs kommunistisch angehaucht empfindet sie bald viel Sympathie für den alten kirchentreuen Nonno. Mit ihrer starken Stimme spielt sie die selbstbewusste Lehrerin voll aus.
Im Ensemble außerdem zu sehen sind Patricia Hodell (Ginas Mutter Maria), Marja Hennicke (Cecilia), Dean Welterlen (Dorfarzt), Marlon Wehmeier (Stimme Jesus), Florian Fetterle (Oberschulrat), Michael Souschek (Polini Artemio), André Bauer, Colleen Besett, Franziska Kemna, Gabriela Ryffel (Dance Captain), Stéphanie Signer, Marco Toth, Matthias Trattner,

Die 13-köpfiege Band unter der Leitung von Robert Paul spielt sich problemlos durch die Partitur. Die Musik ist schön anzuhören, auch wenn richtige Ohrwürmer fehlen. Trotzdem ist jede Sekunde ein Genuss, den man gesehen und gehört haben muss.
Die Inszenierung von Andreas Gergen ist auch dieses Mal absolut gelungen, nicht zuletzt durch die Dramaturgie von Deborah Maier. Auch das Bühnenbild von Peter J. Davison ist wieder absolut funktionell und gelungen. Dass die Band dieses Mal im 1. Stock der Häuserfassade mitten auf der Bühne sitzt ist ebenso interessant, wie die wechselnden Elemente (Glockenturm, Kirchenportal und Säulen, Brunnen auf dem Marktplatz etc.), durch die schnelle schnelle Szenenwechsel problemlos möglich sind. Auch die Kostüme von Yan Tax sind hervorragend auf die Zeit abgestimmt. Die Choreografie hat Dennis Callahan übernommen, wodurch die Ensemble-Tanzszenen viel Wirkung haben.
Licht (Michael Grundner) und Ton (Stephane Linde, Christian Scholl) sind wie immer hervorragend auf das Stück und die einzelnen Szenen abgestimmt.

Mit Don Camillo & Peppone hat das Theater St. Gallen wieder mal Mut bewiesen und es hat funktioniert. Herausgekommen ist ein sehr kurzweiliger Abend mit viel Witz und Charme, etwas Dramatik und einem Happy End. Dazu tolle Musik und hervorragende Künstler auf der Bühne, St. Gallen hat der Musical-Welt mit diesem Stück ein neues Highlight geschenkt.

Ab September wieder zu sehen im Theater St. Gallen.
Infos unter www.theatersg.ch

Fotos: Andreas J. Etter  DC4

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Sabine Boehm

Sabine Boehm

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