Loro Parque – die Animal Embassy für exotische Tiere

Moderne Zoos haben sich viele Ziele gesetzt: artgemäße Haltung und tiergerechte Forschung zu nachhaltiger Natur- und Artenschutzarbeit. Dazu kommt eine möglichst umfassende Aufklärungsarbeit der Besucher. Kurz: Der Zoo ist eine Botschaft für Tiere.

Neben diesem Dasein als Botschaft, sind viele Zoos auch Auffangstationen für Tiere, die anderswo keinen Platz finden oder aus oder vor schlechter Haltung, manchmal sogar vor dem Tod, gerettet wurden. So nehmen Zoos auch beschlagnahmte Tiere auf und geben ihnen ein artgemäßes, neues Zuhause. Die meisten Menschen nehmen das kaum wahr. Ein Zoo, der sich aber dieser Aufgabe in herausragender Form bewusst ist, ist der Loro Parque auf Teneriffa.

Junggesellen-WG für Gorillas

Gorilla Noel (*1986, 165 kg) im Loro Parque | © Philipp J. Kroiß
Gorilla Noel (*1986, 165 kg) im Loro Parque | © Philipp J. Kroiß

Die übliche Haltungsform von Gorillas in Zoos ist die Haremsstruktur: Ein Silberrücken, seine Frauen und seine Kinder. Das bedingt, dass recht wenige Männchen gebraucht werden im Verhältnis zu Weibchen. Jetzt ist es aber so, dass ungefähr gleich viele Gorilla-Mädchen und -Buben geboren werden. Nun stehen Zoos vor einem nachvollziehbaren Problem. Was also tun?

Als Wolfgang Kiessling, der Gründer und Präsident des Loro Parque, sich für die Haltung von Gorillas zu interessieren begann, war er sich dieser Problematik bewusst und begann mit Pionierarbeit. Im Loro Parque wurde eine Junggesellen-WG gegründet; also eine reine Männergruppe, wie es sie, zu diesem Zeitpunkt, in den Zoos noch nie gegeben hatte. Es werden Männchen zusammengeführt,  die entweder noch zu jung sind, um einen Harem anzuführen oder bereits zu alt. Das Zusammenführen der Männchen klappte im Loro Parque hervorragend und seither bietet der Zoo eine große, naturnahe Anlage für die Junggesellen.

Obdach für ein gerettetes Orca-Kalb

Morgan führt den Sprung "Kicker" aus. | © Philipp J. Kroiß
Morgan führt den Sprung “Kicker” aus. | © Philipp J. Kroiß

Regelmäßige und langjährige Leser von flashing-light kennen Morgan und ihre Geschichte. Auch ihr bot der Loro Parque eine artgemäße Unterbringung. Man muss es ganz klar sagen: Hätte er das nicht getan, wäre das Tier eingeschläfert worden, nachdem alle relevanten Experten feststellten, dass eine Auswilderung unmöglich war. In solchen Fällen steht der Zoologe vor der Wahl: entweder ich biete Obhut oder ich muss das Leid einer inadäquaten Haltung durch die Einschläferung beenden.

In Norwegen fällte man ein anderes Urteil: Man tötete einen Wal, der eine realistische Überlebensperspektive in Menschenobhut hatte mit zwei Schüssen in den Kopf. Man kann froh sein, dass die Retter von Morgan, eine Walrettungsstiftung in den Niederlanden, kurzfristig und die Niederländischen Gerichte langfristig ein Urteil fällten, das für das artgemäße Überleben des Tieres sprach.

Die Besucher begeistert die Orcahaltung im Loro Parque. Bei einer Abstimmung nach der Show, die über mehrere Wochen ging, äußerten sich 98% der Befragten positiv.

Neuanfang für Schimpansen

Die ersten Schimpansen, die in den Loro Parque kamen, hat man sprichwörtlich von der Straße geholt. Sie gehörten nämlich Straßenfotographen. Dass dies keine artgemäße Haltung für Schimpansen ist, ist natürlich klar. Die Tiere bekamen eine naturnahe Anlage geschenkt und leben bis heute im hohen Alter unter artgemäßen Bedingungen.

Schimpansen Teenager morgens nach dem Frühstück | © Philipp J. Kroiß
Schimpansen Teenager morgens nach dem Frühstück | © Philipp J. Kroiß

Jahre später erreichte dann den Loro Parque ein Hilferuf. Ein Restaurant hielt Schimpansen, aber es war klar: das wollte man nicht fortführen. Die Tiere fristeten ihr Dasein auf einer kahlen Insel, in deren Mitte ein Pfahl stand, den das Männchen gleich einem Thron nutzte. Mit moderner Tierhaltung hatte diese Anlage nichts zu tun und war alles andere als zeitgemäß. Die Schimpansen allerdings hatten durchaus eine Familie aufgebaut und Nachwuchs gezeugt. Nun stand die Frage im Raum, wohin mit der Gruppe. Der Loro Parque hatte als einziger eine große und naturnahe Anlage mit Platz genug für die ganze Familie und einem verhältnismäßig geringerem Transportaufwand und war damit allen anderen Optionen voraus.

In einer aufwendigen Aktion stemmte man den Transport, der dadurch erschwert wurde, dass am Vorabend des Transportes noch ein Baby geboren worden war. Für die drei ehemaligen Straßenschimpansinnen, die eine eingeschworene Gemeinschaft gebildet hatten, wurde dann ein weiteres artgemäßes und naturnahes Gehege hinter den Kulissen des Parks gebaut.

Große Bürde

Das sind nur drei Beispiele dafür wie der Loro Parque Tieren Obhut gibt, die anderswo keine Zukunft haben. So etwas ist meistens mit immensem Aufwand verbunden und der rechnet sich nicht. Es ist ja nicht nur der Transport der Tiere in die Haltung, sondern auch deren Eingewöhnung, eventuelle Umbauten oder Neubauten, etwaige Forschung, die zukünftige, liebevolle Pflege über Jahre hinweg und vieles mehr.

Letztendlich interessiert es die meisten Besucher nicht, ob sie nun fünf oder sechs Orcas zu sehen bekommen, weil sie die Tiere ohnehin nicht auseinander halten können und selten alle in der Show zu sehen sind.

Zwar sind kleine Schimpansen durchaus süß, aber auch die werden ja mal groß und leben lange Zeit, ohne für die meisten Besucher putzig zu sein. Zudem sind Schimpansen aus inadäquater Haltung schwierige Pfleglinge. Die Schimpansenfamilie ist im Loro Parque regelrecht aufgebühlt unter artgerechter Haltung und viel Zuwendung ihrer Pfleger.

Eine Gorilla-Haltung ohne hin und wieder Nachwuchs zu haben ist für die meisten Besucher auch deutlich uninteressanter als die typische Haremsgruppe. (Ich teile diese Einschätzung persönlich überhaupt nicht, weil beide Haltungsformen enorm spannend sind.) Man kann also bei solchen Tieren vielleicht kurzfristig mit interessierten Besuchern rechnen, aber das wiegt nicht den Aufwand auf oder die langfristige Haltung, die ebenfalls anspruchsvoller ist, als die in einer Haremsgruppe.

Solche Tierrettungen kosten also in jeder Hinsicht mehr als sie einbringen. Kommerzielle Betriebe würde sie nicht durchführen, weil sie nur auf die Zahlen schauen. Zoologen mit Herz aber führen sie gerne durch, wenn es möglich und sinnvoll ist, weil für sie gilt, dass die Tiere zuerst kommen und dann das Geld. Hier sind Experten, Biologen, Zoologen, Veterinärmediziner und Pfleger mit Herzblut bei der Sache und wollen den Tieren helfen. Letztendlich ist der tief verwurzelte Antrieb von modernen Zoos, Tieren zu helfen. Dazu braucht es eben manchmal auch eine nicht kommerzielle Denkweise, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Man kann dankbar sein, dass es immer noch Menschen gibt, die sich, trotz grossem finanziellen Aufwandes, der Tiere annehmen, die in Notlage geraten sind und nicht selten ihr Leben retten. Der Loro Parque ist so ein wichtiges Beispiel und ein bedeutendes Vorbild in einer Welt, die viel zu oft vom Geld regiert wird.

Sabine Boehm

Sabine Boehm

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