D´r schwäbische Neurosenkavalier

D´r schwäbische Neurosenkavalier

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Was haben Elvis, eine Kleptomanin sowie eine Schriftstellerin gemeinsam? Sie sind allesamt auf die Hilfe des Psychotherapeuten Dr. Otto angewiesen. Da dieser jedoch die Weihnachtszeit über verreist ist, bittet er seinen Kollegen Dr. de Witt ihn zu vertreten. Soweit wäre alles in Ordnung – Frau Engel, die Sprechstundenhilfe, wartet bereits gespannt auf den neuen Herrn, es herrscht außerdem lauschige Weihnachtsstimmung überall – die Schneeflocken rieseln leise vor dem Praxisfenster darnieder und aus dem Adventskalender wird wieder ein „Schoklädle“ entnommen.

Wäre da nicht eine Tatsache, die dieses Vorweihnachtsidyll unterbräche: Zur gleichen Zeit treibt ein Räuber sein Unwesen in Stuttgart – dieser sorgt als Weihnachtsmann verkleidet für Aufruhr bei der städtischen Polizei und kein Kaufhaus ist vor ihm sicher!

Doch ausgerechnet dieser Dieb verirrt sich in Dr. Ottos Praxis und die nichtsahnende Frau Engel meint, in ihm den Stellvertreter Dr. de Witt zu erkennen – so nimmt das Chaos seinen Lauf. Der neue „Psychologe“, von Fluchtgedanken getrieben, lässt sich dennoch auf das Spiel ein und ein urkomisches Netz aus Lügen und Humor wird gesponnen. Als der echte Dr. de Witt auftaucht, gibt der falsche Dr. der unwissenden Frau Engel die Information weiter, dass es sich hierbei um seinen geistig verwirrten Bruder handle, zur gleichen Zeit macht er dem echten Dr. klar, dass er ein guter Bekannter von Dr. Otto sei und gebeten wurde, die Praxis zu übernehmen – Dr. Bollinger sei sein Name. Dies kommt dem echten Dr. de Witt gelegen, so möchte dieser lieber an seinem wissenschaftlichen Werk weiterschreiben, außerdem hat er ein Auge auf Frau Engel geworfen. So zieht er es vor, Dr. Bollinger die Arbeit zu überlassen und die Praxis, inklusive seiner Angebeteten nur hin und wieder zu beehren.

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Bollinger, pardon, der Weihnachtsmannräuber, ist nun zum Bleiben verdammt. Er trifft auf die skurrilen Patienten Dr. Ottos – darunter eine talentierte Schriftstellerin, die jedoch äußerst große Probleme mit sich und ihrem Vater hat, es vorzieht, im Bikini behandelt zu werden und die sich nicht zu ihrer großen Liebe bekennen kann, da ihr der Vaterkomplex ein Leben lang im Wege steht. Für besonders große Lacher sorgt der Finanzbeamte, der sich für Elvis hält und die Praxis mit einem lässigen „Hi Fans“ betritt. Dabei hat er im Alltag große Ängste, da seine Kollegen ihn nicht ernst nehmen und er einfach nie zeigen kann, wer, bzw. was wirklich in ihm steckt – nämlich der King of Rock´n´roll! Zu guter Letzt begegnet Bollinger einer „beinahe Kollegin“, eine stadtbekannte Kleptomanin: Frau Carrera, vermögend, gut aussehend und so gefährlich, dass sie Bollingers Herz gewinnt.

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Der falsche Arzt kommt immer mehr in Zugzwang – durch seine unkonventionelle Art beginnt er tatsächlich damit, die Herrschaften zu therapieren, wäre da nicht noch der Kommissar, der als spezielle Neurose einen Verfolgungswahn aufweist: Er sieht überall den Räuber im Weihnachtsmannkostüm und sein großes Ziel ist es, diesen noch vor seiner Pensionierung zu schnappen! Wenn er nur wüsste, dass er ihm in der Praxis bereits gegenübersteht…

„D´r schwäbische Neurosenkavalier“ – eine Komödie von Gunther Beth und Alan Cooper, stammt aus dem Jahr 1986 und wurde ursprünglich unter dem Titel „Der Neurosenkavalier“ bekannt. Die schwäbische Fassung wurde von Monika Hirschle, die im Stück die Rolle der Sprechstundenhilfe „Barbara Engel“ übernahm, geschrieben. Dass das Stück hervorragend auch zum schwäbischen Dialekt passt, beweist, wie vielseitig es ist. So sorgen viele Szenen und Dialoge für Sonderapplaus und Lacher. Nur der echte Dr. de Witt, gespielt von Axel Weidemann, spricht ein klares Hochdeutsch, was natürlich auch für eine Portion Sonderhumor sorgt, da ja sein angeblicher „Bruder“ (gespielt von Andreas Klaue) schwäbisch spricht. Die Damen, die doch von sehr speziellen Neurosen geplagt werden, sind ebenfalls hervorragend besetzt: Katja Hentschel als verklemmte Autorin und Tina Eberhardt, die extravagant und sehr schick auftritt und dabei das Herz von Bollinger zum Schmelzen bringt, so dass sich der sonst so abgebrühte Kriminelle beinahe selber der Polizei stellen würde.

Besonderes Highlight des Abends ist und bleibt aber Reinhold Weiser, der nach seinem „Outing“ als wahrer Elvis die Bühne betritt, im glitzernden weißen Anzug – ein Elvis Lookalike aus den 70er Jahren und ein Medley seiner größten Hits schmetternd – zum Schluss noch das berühmte „Muss i denn zum Städtele hinaus“, mit den Zuschauern der Komödie im Marquardt als chorale Verstärkung.

Die Handlung ist Trumpf – so gibt es beispielsweise keine Notwendigkeit, das Bühnenbild großartig zu verändern. Dr. Ottos Praxis, unterteilt in ein Sprechzimmer und das Vorzimmer, genügen vollkommen, um das Stück perfekt zu umrahmen. Das große Fenster im Hintergrund des Bühnenbildes gibt den Blick auf stetig hinabrieselnde Schneeflocken frei und wenn das Licht nach einer Szene abgedunkelt wird, werden diese zu glitzernden Funken, die beinahe an ein Feuerwerk erinnern!

Ja, gibt´s denn so ebbes? Nun, kommen Sie einfach in die Komödie im Marquardt und erleben sie einen Krimi mal anders – mit viel Spaß, Augenzwinkern sowie guter Laune. Das passende Stück, um den Stress der Vorweihnachtszeit zu vergessen und sich ein paar schöne Stunden der Auszeit zu gönnen!

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Bis zum 15.01.2017 verzaubert der „Schwäbische Neurosenkavalier“ noch die Schwabenmetropole!

Infos und Tickets unter:

www.schauspielbuehnen.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)