Im Himmel ist kein Zimmer frei

„Im Himmel ist kein Zimmer frei“ oder von der Kunst, sein Leben lebenswert zu machen!

Bereits der Titel von Jean Stuarts Komödie „Im Himmel ist kein Zimmer frei“ regt zum Schmunzeln an – kann man sich den Himmel denn wie ein Hotel vorstellen, in das man nach seinem Ableben eincheckt? Gibt es Zimmerkategorien, je nachdem, wie gut oder schlecht man gelebt hat? Und wer bestimmt, ob man ein Zimmer dort „oben“ bekommt?

Diese Fragen stellt man sich allerdings nur, wenn man beispielsweise Paul Serval (Armin Jung) heißt und gerade einen Autounfall hatte – mit tödlichem Ausgang! Noch völlig verwirrt, blutverschmiert und mit dem Lenkrad in der Hand, erreicht Paul die Himmelspforte. Dort empfängt ihn kein Geringerer als der Heilige Petrus (Axel Weidemann), der ihm äußerst ruhig offenbart, dass sein Leben fortan beendet ist und dass dieses alles andere als lebenswert war, denn laut seiner Akte, hatte Paul nichts Besonderes erreicht – er führte ein langweiliges „08 15“ Leben und nun ist er also tot! Zu allem Unglück ist auch noch kein Zimmer frei und so bleibt Paul nur der Weg zurück in sein eintöniges Leben als Geschäftsmann, der allein in einem Häuschen sein Dasein fristet und auch noch von seinem Partner André Marsan (Falk-Willy Wild) mächtig betrogen wird. Wie sich herausstellt, ist André ein Schwerenöter sondersgleichen – er betrügt seine Frau Inès (Stefanie Strobele) seit Jahren und ausgerechnet jetzt, kurz nach Pauls Rückkehr auf die Erde, hatte sich André mit seiner neuen Flamme Sophie (Natalie O´Hara) in Pauls Haus einquartiert, nicht ahnend, dass dieser nicht wie erhofft, für 2 Wochen auf Geschäftsreise, sondern wieder daheim ist!

Eine Geschichte voller Irrungen und Wirrungen beginnt, da sich André vor Sophie als Paul ausgibt und ein Netz aus Lügen gesponnen hat. Als auch noch seine Frau Inès bei Paul auftaucht und als enttäuschte, betrogene Ehefrau in Pauls Armen Trost sucht, spitzt sich die Lage zu. Das lässt sich auch Petrus nicht entgehen und stattet dem verwirrten Paul kurzerhand einen Besuch ab. Mit dem Haken, dass nur Paul den Heiligen sehen kann und dennoch mit diesem agiert, als sei noch eine Person im Raum, was natürlich für große Lacher beim Publikum sorgt, wenn André und Paul einen Dialog führen und Paul sich immer wieder direkt an den für André unsichtbaren Petrus wendet oder dieser nach einer Flasche greift, die dann für Sophies Augen wie von Geisterhand schwebt.

Es kommt wie es kommen muss und das Lügennetz bricht zusammen, doch wie kommt André aus seiner misslichen Situation und wird sich Pauls Leben nun ändern?

Jean Stuarts Stück, das im Original „Un strapontin au ciel“ lautet, war sein letztes Werk, ehe er überraschend im Jahr 1989 verstarb. Der Romanautor und Schriftsteller machte sich u.a. auch mit dem Stück „Ankomme Dienstag – Stop – Fall nicht in Ohnmacht“ einen Namen.

Jürgen Mai inszenierte nun Stuarts Komödie neu und bediente sich dabei auch Elementen des französischen Filmgenres. So sind die Figuren teilweise recht überzeichnet dargestellt, doch wer erinnert sich nicht gerne an Louis de Funés, der mit seiner liebenswert hektischen Art dafür sorgte, dass das Publikum vor Lachen beinahe von den Kinostühlen fiel?!

Ganz so extrem geht es in der Stuttgarter Komödie im Marquardt nicht zu, doch auch die Schauspieler dort haben das große Talent, alle mitzureißen und mit ihrem Spiel zu begeistern. Man merkt auch die Spielfreude, die sie ausstrahlen und dass sie über manche Szenen selbst noch schmunzeln müssen. Wenn „Petrus“ Weidemann und „Paul“ Jung mit ihrem Schnäpschen anstoßen und sich dabei zuprosten sowie die gleiche Haltung einnehmen, dann merkt man, wie die Darsteller auch privat harmonieren. Es bedarf auch keines großen Bühnenbildes, zu Beginn genügen große Tücher, um den Himmel darzustellen und den Rest des Stückes bildet Pauls Wohnzimmer die Kulisse, ein liebevoll eingerichtetes Zimmer, mit Terrasse und kleinen Details, die von den Schauspielern harmonisch integriert werden. Seien es die Bilder an der Wand, die Sophie lieber umhängen würde, da sie dann besser zusammenpassen oder die Bar mit der Whisky-Flasche, zu der insbesondere Petrus gerne greift. Martina Leberts Bühnenbild ist exakt gewählt und funktional dazu.

Auch die Schauspieler verstehen ihr Handwerk, so gibt Armin Jung als „Paul“ den tollpatschigen Geschäftsmann, unerfahren im Umgang mit Frauen und vom Leben meist gebeutelt (er erinnert oft auch an Pierre Richards in seinen Komödien), Falk-Willy Wild macht seinem Nachnamen alle Ehre, wenn er lüstern seiner Sophie hinterhersieht. Natalie O´Hara als blonde Gespielin Andrés, die jedoch alles andere als das Klischee des dummen Blondchens verkörpert und es ihrem „Lover“ nicht gerade leicht macht sowie Stefanie Stroebele als verbitterte und rachesinnende betrogene Ehefrau, die sich an den nichtsahnenden Paul heranmacht. Hinzu kommen natürlich noch Axel Weidemann als Petrus, der schon den Schalk in den Augen hat und bei dem kleine Gesten genügen, um herzhaft lachen zu können und nicht zu vergessen Ulrike Barthruff als Putzfrau „Maria“, die  einen Charme wie ein Reibeisen versprüht und somit auch für viel Humor sorgt.

Die Reinkarnationsthematik einmal anders – mit Slapstick sowie auch dem nötigen Tiefgang, der in der Grundthematik des Stückes zu finden ist. Denn würde André nicht ständig fremdgehen, wären alle weiteren Ereignisse nicht geschehen – Pauls Leben wäre sicherlich auch weiterhin eintönig geblieben oder er hätte sein „Plätzchen im Himmel“ erhalten und wäre einfach nicht mehr da gewesen. Doch was hätte er dann rückblickend über sein Leben erzählt?! Daher lernen wir daraus: Wir haben in der Gegenwart unsere Zukunft in der Hand und jeder ist seines Glückes Schmied!

Weitere Infos und Tickets unter:

www.schauspielbuehnen.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)