Diese Nacht – oder nie!

Diese Nacht – oder nie!

“Lass uns Freunde sein”, diesen Satz möchte eine Frau sicherlich nie von einem Mann hören, in den sie bis über beide Ohren verliebt ist! Doch so ergeht es Charlotte (Isabel Varell), Floristin aus Leidenschaft, die Schlager und Chansons liebt und leider nicht nur das, sie ist unglücklich in Valentin (Heiko Ruprecht) verliebt, ihren “besten Freund und Kumpel”. Ob gemeinsame Fußball-Abende vor dem Fernseher, Pizza Essen am Freitag Abend oder stundenlange Gespräche, in dem Valentin Charlotte sein Herz ausschüttet und über seine zahlreichen Affären berichtet. Die Floristin hat es nicht leicht. Seit fünf Jahren versucht sie, dem “Objekt ihrer Begierde” klar zu machen, wie sehr sie ihn doch liebt. Aber Valentin scheint komplett blind und auch taub zu sein. So singt sie ihm bei einem Besuch in einer Karaoke Bar Liebeslieder vor, überschüttet ihn mit Zuneigung – nichts hilft, dass Valentin kapiert, wie ernst es Charlotte ist. Er genießt die unverbindlichen Abende mit ihr und dass er endlich einmal er selbst sein kann! Alleine Charlottes Freundin Anne ist Kummerkasten und Helferin in einer Person.

So beschließt Charlotte, dass es endlich an der Zeit sei, Valentin zu offenbaren, was sie wirklich für ihn empfindet! Sie lädt zum Essen in ihren Blumenladen “Sträuße mit Biss” ein und verstrickt sich in einem humorvollen Mix aus Andeutungen, Liedern und Gesprächen. Valentins Blindheit wird jedoch jäh unterbrochen, nachdem herauskommt, was Charlottes wahre Gründe für das Dinner sind und er ist alles andere als begeistert.

Der “Traummann” entpuppt sich als Callboy, seines Zeichens auch Gigolo oder Escort Service genannt, das erklärt seine vielen wechselnden Affären. Sogar Charlottes beste Freundin Anne, die nur als “weiblicher Quasimodo” bezeichnet wird, gehört zu seinen Stammkundinnen und zahlt 300 Euro für seine Dienste! Doch Valentin, pardon Otto, wie er im wahren Leben heißt, weigert sich strikt, mit Charlotte eine Beziehung oder Affäre einzugehen. Nicht einmal gegen Bezahlung! Er sieht sie als “Schwester” und “besten Freund”! Für Charlotte ist das alles zuviel und der Abend endet im Fiasko – Valentin baut einen Motorradunfall und landet im Krankenhaus – doch dort besucht ihn nur Charlotte und ihm wird einiges bewusst…

Laurent Ruquiers Komödie, die in der Komödie im Marquardt in deutscher Erstaufführung gezeigt wird,macht deutlich, wie schwierig es ist, Freundschaften zwischen Männern und Frauen zu führen. Geht das überhaupt oder ist solch eine Freundschaft nur Utopie? Trotz der humorvollen Umsetzung und der Komik des Stückes, gibt es durchaus sehr ernste Passagen und Elemente, die zum Nachdenken anregen. Man fühlt förmlich Charlottes Schmerz und kann sich als Frau sehr gut in ihre Situation einfühlen. Und Valentin/Otto als Tunichtgut und Lebemann, der sich im Verlauf des Stückes doch auch wandelt, bringt durch sein Spiel das Publikum sehr oft zum Lachen.

Auch das Bühnenbild ist passend abgestimmt. So wird bereits der Abend mit einer Szene eröffnet, die für Zwischenapplaus sorgt. Charlotte und Valentin befinden sich jeweils in ihren Wohnungen – im Hintergrund symbolisiert nur ein großer Vorhang, dass es sich um das jeweilge Zuhause handelt. Allerdings gibt es Details, die großartig sind – Valentin telefoniert mit Charlotte, allerdings sitzt er dabei auf dem “stillen Örtchen” und der Dialog, den die beiden führen, enthält Anspielungen, die genau zu diesem Ort passen.

Der Blumenladen Charlottes ist prächtig – farbenfroh präsentieren sich die verschiedensten Blumensträuße und im Hintergrund erkennt man die Silhouette einer Stadt. Selbst der Einbruch der Dunkelheit wird mit der perfekten Ausleuchtung der Bühne erreicht!

Nicht nur die Bühne ist perfekt, auch die beiden Hauptprotagonisten sind es. Isabel Varell, bekannt aus Funk und Fernsehen, ihres Zeichens Sängerin und Schauspielerin, schafft es, die Rolle der “Charlotte” so authentisch zu verkörpern, dass man von Anfang bis Ende mit ihr fühlt. Bei den Gesangseinlagen ist zu hören, dass Varell wohl an einer Stimmbandentzündung litt, da ihre sonst so klare Stimme durch ein Krächzen oder beschwerlich erklang. Doch sie meisterte auch diese Herausforderung mit Bravour!

Heiko Ruprecht als Filou ist ebenso passend besetzt. Der Schauspieler ist vor allem aus der ZDF Reihe “Der Bergdoktor” bekannt und hätte besser nicht besetzt werden können. Am Ende greift er sogar auch zum Mikrofon und singt mit Isabel Varell die Zugaben im Duett.

Ein Duo, das mitreißt und den Abend in dem Zwei-Personen-Stück harmonisch meistert!

Erleben Sie “Diese Nacht – oder nie!” noch bis zum 14. Mai 2017 in der Stuttgarter Komödie im Marquardt!

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Jürgen Frahm

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)