Falco – das Musical

Falco – das Musical

Knapp 20 Jahre ist es her, dass die Welt für einen kurzen Moment den Atem anhielt – Johann “Hans” Hölzel ist tot! Besser bekannt unter seinem Pseudonym “Falco”, starb der damals erst 41jährige Sänger an den Folgen eines schweren Autounfalls. Viele sprachen von Selbstmord, denn Falco ging bis zu diesem Zeitpunkt durch extreme Höhen und Tiefen. So wurde ein hoher Alkoholgehalt in seinem Blut nachgewiesen und man könnte es beinahe schon als Omen sehen, dass er noch in einem seiner letzten aufgenommenen Lieder “Out of the dark” die Textzeile “Muss ich denn sterben, um zu leben?!” sang.

Doch wer war dieser Ausnahmekünstler, der es schaffte, als einziger Künstler ein deutschsprachiges Lied in den amerikanischen Billboard Charts auf Nummer 1 zu katapultieren?

Dieser Frage geht das Stück “Falco-das Musical” nach. Bereits als Intro und Opener kommt der “echte” Falco zu Wort. Über Großleinwand werden Interviews von ihm gezeigt. Sequenzen, die beinahe gespenstisch wirken. Für einen Moment ist der große Falco wirklich wieder da, lebendiger denn je. Seine überhebliche Art, der Wiener Schmäh, der Schalk in seinen Augen. Und dennoch weiß man, dass es ihn schon seit langer Zeit nicht mehr gibt – Falco Superstar! Mit diesen Zeilen erklingt das erste Lied des Abends, interpretiert von zwei fiktiven Figuren des Stückes “Jeanny” (Claudia Müller-Kretschmer) und “Ana Conda” (Stefanie Kock). Die eine ganz in weiß, engelsgleich – die andere in schwarz gekleidet und diabolisch verführerisch. Beide begleiten Falco während des Stückes auf seinem Lebensweg, die Motive von gut und böse passen hierbei sehr gut und zeigen die zwei Seelen, die in seiner Brust tobten. Der stetige Kampf mit sich selbst, der Psyche und der Angst vor dem Versagen, ausgedrückt als Metapher und repräsentiert durch diese beiden Bühnenfiguren. Ein hervorragend gewähltes Motiv.

Hinzu kommt der Conférencier des Abends: Manager Horst Bork, gespielt von Sebastian Achilles, der die Geschichte Falcos chronologisch erzählt und dabei den Star wieder auf die Bühne bringt.

Und dann tritt er auf: Falco, pardon, Alexander Kerbst, der bereits mehrfach in dieser Rolle brillierte (ob im Musical Falco meets Amadeus, Falco – the Show oder Falco – the spirit never dies). Jede Bewegung sitzt, ebenso die Intonation der bekannten Welthits. Mimik und Gestik des Originals hat er so verinnerlicht, dass nichts gekünstelt oder aufgesetzt wirkt. Kerbst stellt Falco als Exzentriker dar, teils Egoist, teils äußerst verletzlich – dies ist insbesondere in einer Szene sehr gut dargestellt, wenn Falco mit einer Bauchrednerpuppe da sitzt und über sein Leben sinniert. Die zwei Seiten des Hans Hölzel – einst ein mozartgleicher Junge, hochbegabt, mit absolutem Gehör, das ihm privat jedoch zum Verhängnis wurde, da er die Trennung seiner Eltern so hautnah miterlebte. Dieses Trauma prägte auch sein eigenes Leben. Nichts wünschte er sich sehnlicher als eine eigene Familie, diese wurde ihm dann sogar geschenkt, mit Töchterchen Katharina dachte er, endlich angekommen zu sein, bis sich herausstellte, dass das Kind gar nicht von ihm sei. Eine Welt brach zusammen und der so labile Superstar griff noch verstärkter zu Alkohol und Drogen aller Art.

Seine Welthits, wie auch “Rock me Amadeus”, “Vienna calling” oder natürlich “Jeanny Part 1 und 2” fehlen an diesem Musicalabend nicht. Auch sein erster großer Hit “Der Kommissar” wird sogar gleich zweimal gespielt – als eine von drei Zugaben gibt es den Song nämlich erneut. Das Publikum hält es hier auch nicht mehr auf den Sitzen, der ausverkaufte Saal gleicht einer Konzerthalle. Jeder singt, tanzt und zückt beim Lied “Europa” die Smartphones, inklusive Taschenlampenfunktion und taucht den Saal in ein Lichtermeer.

Falco-das Musical ist wie eine hervorragend geschriebene Biographie des Künstlers. Besonders das Ende ist einfühlsam und stimmt einen sehr nachdenklich. Wenn die letzten Töne des Liedes “Jeanny Part 2 – Coming home” erklingen und Falco mit seiner fleisch gewordenen “Bühnen” Jeanny in den SOnnenuntergang geht, wird diese schöne Szene jäh unterbrochen, man hört das Quietschen von Autoreifen, einen Zusammenprall, ein Unfall, dann Herztöne und am Ende nur noch das Signal eines EKGs, bei dem der Patient verstorben ist. Die Legende ist tot – aber nicht in den Herzen der Fans! Falco lebt mehr denn je und das Musical sorgt dafür, dass der Mythos des Wiener Buben, der einst der erste Deutsch Rapper war und mit seinen Hits die Charts eroberte, nie vergessen wird! Am Ende des Abends verabschiedete Alexander Kerbst sich noch mit den Worten: Bis bald – wir sind im nächsten Jahr wieder in eurer Stadt!

Und auch da wird der Saal sicherlich ausverkauft sein! Denn die Thematik, die Lieder und natürlich auch das hervorragende Ensemble sorgen dafür, dass Falco immer noch, fast 20 Jahre nach seinem tragischen Tod, die Bühnen erobert!

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Marcel Klette

 

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)