Vegan day der VHS Esslingen

GO VEGAN oder Veganes Leben als neuer Lifestyle?!

Am Samstag, den 01.April 2017, fand zum ersten Mal überhaupt in der Esslinger Volkshochschule der Vegan day statt. Ein Tag voller Workshops, Vorträge und Informationen rund um das Thema “vegane Ernährung”.

Vegan – ist das der neue Ernährungstrend für alle, denen der Vegetarismus nicht mehr reicht? Was versteht man überhaupt unter veganer Ernährung?

Einst galt es als gesund, möglichst viel Fleisch und Fisch zu essen – wertvolle Proteine würden diese liefern. Dazu noch Gemüse, Obst und wenig Zucker und fertig ist die ausgewogene Ernährung. Richtig?

Laut den Veganern nicht ganz, denn anders als die Vegetarier, lassen sie keine tierischen Produkte zu, nicht mal ein Hühnerei! Wie kann es also funktionieren, sich ausgewogen zu ernähren und keine gesundheitlichen Schäden zu erhalten, wenn man nur noch pflanzliche Kost zu sich nimmt?

Initiator des Vegan days Rafael Treite, seines Zeichens selbst Hochleistungssportler und Moderator, ist eingeschworener Verfechter des veganen Essens. Ihm ist es ein großes Anliegen mit den weit verbreiteten Mythen aufzuräumen und zu zeigen, dass man von veganer Ernährung stark profitieren kann, insbesondere auch als Sportler.

Am Vegan day fanden stündlich verschiedenste Workshops statt, bei denen man wertvolle Einblicke in die Welt der Ernährung erhielt und selbst so manches ausprobieren konnte, wie beim veganen Kochen und Backen. Auch Yoga stand auf dem Programm, geleitet von Kerstin Treite, die ihre Yoga Ausbildung in Indien absolvierte und den Teilnehmern einfühlsam zeigte, inwiefern eine vegane Ernährung zur Lehre des Yogas gehört.

Diplom-Psychologin Annemarie Stein berichtete aus ihrem Leben und belegte mit erschreckenden Fakten, wie ungesund sich die Menschen doch zur Zeit in Deutschland ernähren. Ob Eiterbakterien oder Cadaverin in Milch-und Fleischprodukten. Die Verunreinigungen nehmen zu und das soll dem menschlichen Körper nutzen?

Auch der Zusammenhang zwischen Bio und Fair Trade Produkten in Bezug auf die vegane Ernährung spielte eine große Rolle. Nur wer darauf achtet, was er zu sich nimmt und welche biologisch geprüften Produkte auch wirklich naturrein sind, der wird vom Veganismus profitieren. Denn natürlich kann man sich als Veganer auch nur von Chips und viel Süßem ernähren, eine wirkliche Bereicherung ist dies jedoch nicht für ein gesundes und langes Leben.

So ist es bewiesen, dass viele Volkskrankheiten, wie Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen, eng in Verbindung gebracht werden mit der falschen Ernährungsweise. Canzerogene, also krebserzeugende Inhaltsstoffe, seien zwischenzeitlich so häufig in unseren Nahrungsmitteln vertreten, dass es schon beinahe erschreckend ist. Und fakt ist: Gesunde Nahrung kann vom Körper auch nur dann verwertet werden, wenn ein gesunder Darm vorliegt. Daher sollte man dieses Zusammenspiel nie unterschätzen!

Viele Sponsoren, u.a. DM, Metro, Hengstenberg oder Naturgut, um nur einige zu nennen, unterstützten die Veranstaltung. Es durfte nach Herzenslust probiert und verkostet werden.

Eine große Diskussionsrunde sowie der Film “Hope for all” von Regisseurin Nina Messinger, bildeten den krönenden Abschluss eines gelungenen Tages.

Als  Quintessenz lässt sich sagen: Jeder sollte für sich entscheiden, welche Ernährungsform ihm gut tut, dennoch sorgten viele Aspekte, die angesprochen wurden, für Nachdenklichkeit bei den Beteiligten.

Moderator und Sportler Rafael Treite gab Flashing light noch ein Interview zum Vegan day:

Herr Treite, wie lange leben Sie und Ihre Familie schon vegan?

Seit 1.1.2016 lebe ich konsequent vegan, davor zuhause – nur unterwegs nicht. Meine Frau ebenfalls, die beiden Töchter (20 und 25) etwas länger und unser Sohn (17) ist „Flexi-Veganer“, d.h. in der Regel lebt er vegan.

2. Was bedeutet die vegane Ernährung für Sie?

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, die für meinen Körper besser ist und die gleichzeitig Tierleid verhindert und die Umwelt deutlich entlastet.

3. Wurden Ihre Töchter auch vegan aufgezogen? Es heißt ja, dass es für Kinder nicht von Vorteil ist wegen Mangelerscheinungen.

Wir sind seit 25 Jahren Vegetarier – unsere drei Kinder haben wir allerdings zu Beginn konventionell-biologisch ernährt, da wir davon ausgegangen sind, dass Milch und ab und zu Fleisch wichtig sind. Die Entscheidung erst auf Fleisch und später auf alle tierischen Produkte zu verzichten kam von den Kindern selbst. Inzwischen sehen wir das differenzierter und wissen, dass eine rein pflanzliche Ernährung auch Kindern weder schadet noch deren Gesundheit beeinträchtigt, im Gegenteil – natürlich sofern sie ausgewogen und durchdacht ist.

4. Vegane Ernährung wird von vielen noch sehr kritisch beäugt. Welche Vorteile bietet die vegane Ernährung allgemein den Menschen?

Eine rein pflanzliche Ernährung wird ja nur von „Fleischessern“ sehr kritisch beäugt. Viele fühlen sich in ihrer Freiheit beschnitten, sobald das Thema „auf den Tisch“ kommt. 

Es gibt drei Vorteile der veganen Ernährung:

1.) weniger Krebsrisiko, weniger Anfälligkeit von Arteriosklerose und anderen Herzerkrankung, weniger Gewichtsprobleme. Keine indirekte Antibiotika-Aufnahme durch Fleisch aus der Massentierhaltung.

2.) Tiere werden als gleichwertige Lebewesen betrachtet und geschützt. Dass man seinen Hund liebt und ein Schwein oder eine Kuh isst, das nennt man „kognitive Dissonanz“. Spätestens wenn der Hund in China am Grill hängt fällt einem das dann auf… 

3.) die Emissionen von schädlichen Treibhausgasen werden reduziert – und zwar maßgeblich. Methangas ist wesentlich schädlicher als Co2 und wird in der Massentierhaltung produziert. Gülle übersäuert unsere Böden. 

5. Sie sind Leistungssportler, wie lässt sich die vegane Ernährung in diesem Bereich einsetzen und wie kann man als Sportler davon profitieren?

Ich bin inzwischen fast 47 und zähle eher zu den „Senioren“, die täglich Sport treiben. Als A-Lizenz-Trainer von Leichtathleten kann ich aber sagen, dass die Regeneration deutlich verkürzt wird und zusätzlich Energie durch sogenannte Super-Foods gewonnen wird (Sprossen, Samen, gekeimte Produkte, Obst, Gemüse, hochwertige Getreide). Einen Hochleistungsmotor von Porsche würde man nie mit Altöl betanken, der Gang zu McDonalds ist aber selbst bei Sportlern weit verbreitet. Ein Wunder, dass danach kein Motorschaden eintritt – aber sicher auch keine sportliche Hochleistung. 

6. Was halten Sie von Nahrungsergänzungsmitteln, z.B. Proteinpulver? Notwendig oder überflüssig?

Proteinpulver ist vielleicht etwas für Kraftsportler. „Proteinmangel“ gibt es medizinisch nicht, eine Handvoll Linsen hat abgesehen davon soviel Protein wie ein Steak.

Vitamin B12 ist das einzige Vitamin, welches Veganer substituieren sollten, da es sich bei pflanzliche Nahrung fast nicht bildet, sondern im Verwesungsprozess bei tierischer Nahrung gebildet wird. In der Massentierhaltung wird übrigens den Tieren Vitamin B12 zugefüttert.

7. Wie sieht ein veganer Tag bei Ihnen aus – vom Frühstück bis zum Abendessen?

Morgens mache ich mir und meiner Frau eine große Obstschüssel mit Bananen, Äpfeln, Mangos, Orangen und was sonst der Obststand so hergibt. Dazu kommen gehackte Mandeln und gespaltener Leinsamen und zwei Hände voll gereimte Getreideflocken. Dadurch bin ich bis 14h satt, zwischendurch gibt es ein Avocado-Brot mit Salz. Pfeffer und Zitrone. Zum Abendessen gibt es meist Gemüse mit frischen Kräutern und Kohlehydrate in Form von Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Manchmal wird das noch durch ein veganes Bratstück ergänzt. Als Nachtisch folgt ein Becher Soja-Yoghurt.

8. Viele schreckt sicherlich auch der Aufwand und die Kosten ab – was raten Sie Menschen, die sich bisher noch nicht an vegane Ernährung herantrauten?

Es gibt auch bei Aldi und Lidl bereits vegane Produkte. Der Start Bedarf etwas an Information und Übung – aber es lohnt sich! Was sind 2-3 Wochen Orientierung gegenüber einer ungesunden Lebensweise bis an das Ende seines Lebens? 

9. Überkommt Sie nicht ab und zu die Lust auf Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte?

Nein, überhaupt nicht mehr. Das war als Vegetarier noch anders, da hatte ich ab und zu Lust auf McDonalds und Co.. Ernährung ist „gelernt“ – d.h. wir können auch umlernen. Weniger Zucker, weniger Fett, weniger Fastfood – dafür mehr Genuss und Lebensglück. Ich freue mich heute genauso an einem Avocado-Brot wie früher an einer Packung Chips, mir reicht auch ein Riegel Schokolade statt der ganzen Tafel. 

10. Ist vegane Ernährung für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten umsetzbar?

Viele Lebensmittelunverträglichkeiten fallen bereits durch VEGAN weg: Laktose-Intoleranz z.B..

Wer sich glutenfrei ernähren muss, findet dazu im Bio-Supermarkt ein passendes Angebot.

11. Ein Tipp von Ihnen, wie es mit der veganen Ernährung klappt – was kann man tun, wenn man es ausprobieren möchte?

Alle Rezepte, die man bisher mochte, gibt es bei YouTube mit der Ergänzung „vegan“ auch, d.h. man muss auf nichts verzichten (z.B. „Kaiserschmarren – vegan“). Ausprobieren und einfach mutig sein! Sich inspirieren lassen, bei Facebook z.B. gibt es viele Gruppen und Tipps zu dem Thema.

12. Wenn jeder auf der Welt vegan leben würde, dann…

wäre die Welt eine friedlichere und gesündere Welt.

Tierische Eiweiße sind ungesund, das ist wissenschaftlich belegt. Massentierhaltung produziert mehr Co2 als das gesamte Transportwesen weltweit.

Massentierhaltung ist grausam und furchtbar – warum gibt es eine „gläserne Käserei“, eine „gläserne Bäckerei“ – aber kein gläsernes Schlachthaus?

13. Yoga und vegane Ernährung – Ihre Frau ist ausgebildete Yogalehrerin. Praktizieren Sie auch Yoga und wenn ja, wie kann dies ergänzend zu Ihrem Leistungssport wirken?

Meine Frau hat mich eigeladen und ich habe es ausprobiert. Ein Mal in der Woche bin ich nun dabei – ich bin aber absoluter Anfänger und auch nicht sonderlich begabt – aber es tut mir gut und ich lasse es zu. Die Meditation im Yoga genieße ich sehr. Das yogische Prinzip der Gewaltlosigkeit (Ahimsa) ist ein Grundprinzip für mich, daher leben übrigens auch viele Menschen in Indien vegan.

14. Hilft vegane Ernährung beim Abnehmen oder geht es hier eher um ethische Aspekte?

Ja, vegane Ernährung ist wesentlich gesünder, fettärmer und hat wenig Cholesterin. Die ethischen Aspekte sind gleichwertig.

15. Schlusswort zum Thema: GO VEGAN !

Vielen Dank an Herrn Treite, der außerdem noch eine interessante Reportage drehte:

https://www.facebook.com/rafael.treite?fref=ts

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Franziska Maier, Rafael Treite

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)