Sei lieb zu meiner Frau

Sei lieb zu meiner Frau – eine Geschichte, die das Leben schrieb?!

Liebe, Lug und Trug – schöner hätte man es auch in den 80er Jahre Serien, wie „Der Denver Clan“ oder „Dallas“ nicht darstellen können. Das neue Stück der Komödie im Marquardt „Sei lieb zu meiner Frau“, greift genau diese Thematik auf. Sind denn alle Ehen und Beziehungen heute auf diesen drei Attributen aufgebaut? Als Zuschauer stellt man sich doch beim Verlassen des Theaters eben diese Frage…

So wird in René Heinersdorffs Stück gezeigt, wie sich zwei Paare in teilweise aberwitziger Form belügen und betrügen. Ist das denn noch komisch? Die Antwort lautet eindeutig: Ja!

Nicht zuletzt, da auch hervorragende Schauspieler dafür sorgen, dass der eigentlich ernste Hintergrund mit einem Augenzwinkern transportiert wird.

Da hätten wir einerseits den etwas in die Jahre gekommenen Verleger Karl (Hugo Egon Balder), der verheiratet und Vater einer Tochter ist. Der erfolgreiche Geschäftsmann begnügt sich nicht mit der Tatsache, dass er eine Ehefrau hat. Nein, er hält lieber Ausschau nach Jüngeren und so kommt ihm die adrette Blondine Sabrina (Jeanette Biedermann) gerade recht, die bereits einige Zeit seine Geliebte ist und als Frau für gewisse Stunden fungiert. Diese ist jedoch auch fest gebunden – ihr Ehemann Oscar (René Heinersdorff) und ihr Sohnemann wissen aber selbstverständlich nichts von ihrer Affäre. Oder doch? Jedenfalls wird schnell klar, dass Oscar nicht ganz so blind ist, wie man zuerst vermutet. So steht er eines Tages in Karls Büro und bittet diesen doch tatsächlich, weiterhin sehr lieb zu seiner Frau zu sein…er weiß von der Affäre und billigt sie, so lange er seine eigene Affäre leben kann. Und das Objekt seiner Begierde ist keine Geringere als Karls Ehefrau Mona (Madeleine Niesche). Dass aber keiner vom anderen weiß, ist klar, sonst gäbe es auch nicht die Situationskomik, die im Verlauf des Stückes immer wieder entsteht.

Karl möchte mit Sabrina nach Istanbul – Oscar mit Mona ebenso. Beide flunkern aber ihren Partnern vor, dass sie nach Marrakesch fliegen, jedenfalls die beiden Damen nehmen dieses Ziel als Alibi. Sie fliegen mit ihrer Freundin Doris, einer „Reisebürotante“ aus Böblingen, während Karl offiziell die Steuer macht und Oscar den Sohn hütet.

Aber das Leben spielt einem oftmals übel mit und so landet das skurrile Quartett natürlich im gleichen Hotel in Istanbul, Balkon an Balkon und das Verwirrspiel darf munter beginnen…

René Heinersdorff dürfte vielen Zuschauern aus dem TV wohl bekannt sein, er spielte unter anderem in der RTL Serie „Die Camper“ mit und ist hier nun nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig. Heinersdorff setzt auf kurzweilige Unterhaltung, blitzlichtartige Szenen, humorvolle Dialoge sowie auf eine perfekte Mischung aus Groteske und Ernsthaftigkeit. Er selbst brilliert in seiner Rolle als „Oscar“, dem „Mann ohne Vergangenheit“, wie er sich Mona gegenüber ausgibt. Als schüchterner Part ist er das Gegenstück zu „Karl“, der von keinem Geringeren als Hugo Egon Balder gespielt wird. Balder, zwischenzeitlich ein Urgestein der Cemody TV Welt, zeigt auf der Bühne einen typischen Macho – den Lebemann par excellence, der es versteht, sein Doppelleben gut vor seiner Frau zu vertuschen. Man nimmt jedoch auch den beiden weiblichen Protagonisten ihre Rollen perfekt ab. Jeanette Biedermann, die man vorwiegend als Sängerin kennt, einst Pop Sternchen der 90er Jahre, später nun mit Band und auch deutschsprachigen Titeln unterwegs, ist auch eine hervorragende Bühnenschauspielerin. Sie zeigt die verschiedensten Facetten, versteht es, das Publikum mitzureißen und sorgt für etliche Lacher durch ihre ganz spezielle Art als „Sabrina“. Zu guter Letzt noch Madeleine Niesche, die mit dominantem Auftreten ihren „Mann ohne Vergangenheit“ erstmal zappeln lässt und später doch auch zur Einsicht kommt, dass dieser Weg nicht immer der Richtige ist.

„Sei lieb zu meiner Frau“ – eine Komödie unserer Zeit. Früher hätte man es sicherlich nicht gewagt, solch eine Thematik auf die Bühne zu bringen – zu prüde waren die Denkweisen der Menschen. Doch was sich im Verborgenen abspielte, das wurde nie gezeigt. Das Stück kommt ohne jeglichen Fingerzeig aus, möchte keine Moralpredigt aussenden oder zum lange Nachdenken anregen. Es liefert gute Unterhaltung und das nicht zu knapp. Ein amüsiertes Publikum ist das Ziel und dies dürfte dem spielfreudigen Quartett auch allabendlich gelingen!

Weitere Infos und Ticktets unter:

 

www.schauspielbuehnen.de

 

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)