The Pirate Queen

The Pirate Queen

Das Theater unter den Kuppeln sticht in See

Wir schreiben das 16. Jahrhundert – ein Zeitalter, in dem das Wort „Emanzipation“  noch nicht bekannt war. Frauen waren dazu da, die Kinder zu erziehen und auf ihren Versorger zu warten, wenn dieser auch lange Zeit unterwegs war.

Anders die junge Irin Grainne Ni Mhaille, von den Engländern Grace O`Malley genannt. Ihr großer Traum war es stets, mit ihrem Vater zur See zu fahren.

So verkleidet sie sich kurzerhand als junger Matrose und schmuggelt sich an Bord der „Pirate Queen“, dem Schiff des Vaters. Natürlich wird Grace bald enttarnt und sorgt für Furore: eine Frau an Bord – das bringt doch nur Unglück!

Tiernan, Graces Freund und Jugendliebe, ist zu Beginn auch alles andere als begeistert, doch als das Schiff und die Crew angegriffen werden, entpuppt sich Grace als Geheimwaffe. Sie kämpft wie ein Mann und sorgt dafür, dass die Feinde zur Strecke gebracht werden. Graces Vater sieht daraufhin ein, dass sie eine würdige Nachfolgerin für ihn ist und dass auch Frauen an Bord gute Arbeit verrichten können.

 

Eigentlich könnte hier das Stück bereits zu Ende sein, doch diese Szenerie war erst der Anfang! Claude-Michel Schönbergs und Alain Boublils Stück entpuppt sich zu einem wahren Epos. Das Autorenduo sind auch als Schöpfer der weltbekannten Musicals „Les Misérables“ und „Miss Saigon“ bekannt. Und auch diese Werke dauern gut 3 Stunden – so brauchen auch die Besucher des Theaters unter den Kuppeln gutes Sitzfleisch, denn die „Pirate Queen“ fesselt bis gut 23.30 Uhr!

 

Das Stück zeigt weiter, wie Queen Elizabeth I. den Thron besteigt – als würdige, doch einsame Herrscherin, verfolgt sie nur ein Ziel: Grace O`Malley muss weg und Irland soll fallen!

So spinnt sie mit Hilfe ihres Ratgebers Lord Bingham ein Netz aus Intrigen und schafft es letztendlich, Grace gefangen zu nehmen. Diese landet 7 Jahre lang in englischer Gefangenschaft, dabei sieht sie nicht einmal ihren zwischenzeitlich geborenen Sohn, der jedoch nicht von Tiernan ist, sondern von dem fiesen Lebemann Donal, dessen Vater mit Graces Vater ein Bündnis schloss und die Ehe der beiden Kinder sollte den Pakt besiegeln. Noch am Totenbett schwor Grace ihrem Vater, dass sie alles tun würde, um dem Clan zu helfen und ihm keine Schande zu machen.

 

Tiernan zieht Graces Sohn wie seinen eigenen auf, insbesondere nach Donals Tod – dieser ging mit Lord Binghams Intrige gegen Grace vor und sorgte so für ihre Verhaftung, woraufhin Tiernan Donal erstach.

 

Doch wie es bei Musicals so häufig der Fall ist, gibt es ein Happy End und die Liebenden kommen zusammen, jedoch erst nach äußersten Schwierigkeiten. Grace schafft es, das kalte Herz der Queen zu erweichen. Sie erlangt ihre Freiheit wieder und auch die Tiernans, der aus Liebe zu ihr sich opferte und sich im Austausch mit Grace anbot, auf ewig in englischer Gefangenschaft zu verharren, so dass Grace wenigstens einmal ihren Sohn wiedersehen dürfe!

 

Grace und die Queen verbindet am Ende ein beinahe freundschaftliches Verhältnis – Irland wird verschont, Grace und Tiernan können ein freies Leben leben und die Liebe sowie das Gute haben gesiegt!

Das fast 70köpfige Ensemble des Theaters unter den Kuppeln zeigt in beeindruckender Weise, wie auch Laiendarsteller ein hochkarätiges Musical auf die Bühne bringen können, ohne dass es an Qualität verliert. Zwar gibt es den ein oder anderen schiefen Ton, doch die Spielfreude und die Inbrunst der Protagonisten sind eine wahre Freude. Sie leben ihre Rollen.

 

Allen voran Katharina Nicolaus als „Grace“, der rothaarige Wirbelwind deckt alle Facetten perfekt ab. Vom ungestümen Teenager zu Beginn des Stückes, bis hin zur liebenden Mutter, gebeutelt von der Gefangenschaft und dem erlebten Elend.

Linda Dambacher als Queen beherrscht ihren hohen Sopran, den die Rolle erfordert. Sie zeigt eine kühle Königin und brilliert auch im Duett mit Grace, bei dem sie durchaus ihre emotionale Seite zeigt.

Mathias Tränkle spielt „Tiernan“ – er hat von Anfang an gleich die Sympathien des Publikums auf seiner Seite und nicht nur der weiblichen Zuschauer! Der dunkelblonde Held des Stückes ist auch gesanglich eine Bereicherung des Stückes.

David Kovacs als Donal könnte nicht besser gewählt sein, er ist der Kontrahent Tiernans und gibt seinem Bühnencharakter den gewissen Grad an Bösartigkeit, Selbstverliebtheit und Hinterlist.

 

Und auch das restliche Ensemble zeigt vollen Einsatz. So wird auch tänzerisch der Cast einiges abverlangt. Ob irische Folklore, Tanzelemente, die an „Lord of the dance“ erinnern oder große Ensembleszenen, die für Stimmung sorgen. Jeder einzelne Darsteller sorgt dafür, dass „The Pirate Queen“ mit den Musicals der großen Bühnen der Welt mithalten kann!

 

Die Musik ist eingängig und das Orchester des Theaters unter den Kuppeln leistet ganze Arbeit.

 

Dem Regisseur-Trio Michael und Stefanie Hartusch sowie  Angelika Ambacher, ist ein kleines Meisterwerk gelungen! „The Pirate Queen“ muss sich nicht vor anderen Stücken verstecken!

 

Erleben Sie auch noch dieses eindrucksvolle Musical bis zum 12. August!

 

Weitere Infos unter:

 

www.tudk.de

 

Bericht: Franziska Maier

 

Fotos: Theater unter den Kuppeln

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)