Das Geheimnis der drei Tenöre

Das Geheimnis der drei Tenöre…

…wird aktuell in der Stuttgarter Komödie im Marquardt gelüftet

Man nehme: Einen italienischen Star Tenor, einen schwedischen Tenor Kollegen sowie einen jungen, aufstrebenden Sänger – fertig wäre das Rezept für DIE sensationelle Musikveranstaltung in Paris. Das Publikum würde vor Begeisterung toben, die Presse sich vor lobenden Worten überschlagen…diese Vision verfolgt der amerikanische Impressario Henry Saunders (Axel Weidemann), der dieses große Show Event in Paris organisiert. Leider hat er nicht damit gerechnet, dass kurzfristig der schwedische Tenor aufgrund eines Trauerfalls in der Familie ausfällt und so muss dringend ein dritter Tenor her, damit sein Konzept aufgeht. Dieser ist auch recht schnell gefunden, in Form seines Schwiegersohnes Max (Theodor Reichardt). Alles könnte nun perfekt verlaufen. Der Star des Abends Tito Merelli (Michael Hiller) reist mit Ehefrau Maria (Michaela Karmetz) an und bezieht seine Suite, doch aufgrund eines pikanten Vorfalls verweigert der Sänger seinen Auftritt: Mirelli belauscht seine Frau im Gespräch mit dem jungen, adretten Sänger Carlo Nucci (Luigi Scarano) und vermutet, dass er von ihr betrogen wird.

Nichts ahnend, dass Nucci eigentlich der Freund seiner Tochter Mimi (Christine Last) ist! Und so nehmen die Irrungen und Wirrungen ihren Lauf. Saunders sieht sich nach Merellis Konzertabsage gezwungen, einen Ersatz zu suchen und wie es der Zufall will, taucht dieser in Form des Hotelboys Beppo auf (ebenfalls gespielt von Michael Hiller, der in einer Doppelrolle auftritt). Beppo sieht Tito Merelli so ähnlich, dass man meinen könnte, sie seien Zwillinge. Und diese Tatsache sorgt für erneuten Wirbel. Insbesondere, als noch die Sopranistin Tatiana Racon (Amelie Sturm) in der Hotelsuite auftaucht und zu erkennen gibt, dass sie Titos Geliebte sei. Der einfache Beppo wittert nun die Chance seines Lebens: Er wird zum Star der Opernveranstaltung und dazu noch von den Frauen begehrt! Zu allem Überfluss erscheint noch Maria, die nach einem großen Streit mit ihrem Mann erst die Scheidung wollte, aber nun reumütig und zur Versöhnung bereit, zurückkehrt. So befindet sich Beppo in einer prekären Situation: Im einen Schlafzimmer wartet seine „Ehefrau“ auf ihn, im anderen die „Geliebte“. Und dazu kommt noch seine „Tochter“ Mimi, die erfahren hat, dass sie von ihrem Carlo ein Kind erwartet!

Dass dieses Chaos natürlich auffliegt und die Opernveranstaltung dem Untergang geweiht ist, dürfte jedem Zuschauer klar sein. Doch Ken Ludwig, der Autor des Stückes, lässt alles in einem Happy End gipfeln.

„A Comedy of Tenors“, wie der Originaltitel lautet, sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Der US amerikanische Autor Ken Ludwig, der unter anderem Stücke wie „Othello darf nicht platzen“ oder „Cyrano in Buffalo“ schrieb, ist ein wahrer Meister des Humors. Auch „Das Geheimnis der drei Tenöre“ ist eine klassische Boulevardkomödie, bei der kein Auge trocken bleibt. Wortwitz, spitzfindige Anspielungen auf das Genre der Oper („Typisch Tenor“) sowie das Künstlerleben – all das ist perfekt verpackt in diesem Stück. Wie in einer richtigen Oper steigt auch hier die Dramatik stetig an. Die Spielfreude der Darsteller ist dabei ebenfalls zu spüren. Wenn die drei „Tenöre“ kurzerhand live auf der Bühne Opernklassiker anstimmen, sorgt das für Sonderapplaus und Hiller in seiner Doppelrolle zeigt, wie wandelbar ein Schauspieler in kürzester Zeit sein kann – vom eher griesgrämigen Opernstar Tito, zum vom Glück geküssten Hotelboy Beppo und das in weniger als einer Minute.

Lugi Scarano als junger, ungestümer Liebhaber ist ebenfalls perfekt besetzt, genauso wie Theodor Reichardt als „Max“, der stets darauf wartet, einen Anruf von seiner schwangeren Frau zu erhalten. Axel Weidemann versucht während des Stückes stets die Contenance zu wahren und das Chaos, in dem sich alle befinden, zu ordnen. Mit Perücke und Brille erinnert er an den jungen Dieter Thomas Heck, der einst die ZDF „Hitparade“ moderierte und eben solch eine Moderationsfunktion nimmt auch „Saunders“ ein, diese geht sogar soweit, dass er am Ende des Stückes als Standesbeamter fungiert. Und auch das Damen Trio ist hervorragend besetzt: Michaela Kametz als „Maria“ besticht mit ihrem Temperament, Amelie Sturm offenbart eine glockenklare Sopranstimme am Ende des Stückes und Christine Last verzückt sicherlich die Männerwelt mit ihrem ersten Auftritt, der nur sehr spärlich bekleidet stattfindet.

Ulf Dietrichs Inszenierung ist durchweg gelungen – er hat es geschafft, eine Handlung, die im Paris der dreißiger Jahre spielt, so zu transportieren, dass sie zeitlos ist und auch so heutzutage möglich wäre. Das Bühnenbild zeigt die Hotelsuite, in der sich die meisten Handlungsstränge abspielen und am Ende symbolisiert ein großer Vorhang den Auftrittsort – der Zuschauer erhält Einblicke in den Backstagebereich sowie auf die Bühne, in dem man die Künstler als Schattenfiguren von hinten sieht. Übrigens ein nettes Gimmick, da ja am Schluss Beppo UND Tito gemeinsam auftreten, so ist auch das Problem gelöst, dass Hiller ja stets nur als eine Person auftreten kann. Als Schattenfigur übernimmt ein Statist seinen Part und schon ist das neue Gesangstrio der Tenöre komplett.

Lüften Sie selbst „Das Geheimnis der drei Tenöre“ – noch bis zum 19. November in der Stuttgarter Komödie im Marquardt.

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der “bdfj” Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V.

> Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

> Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung…)