„Falco – The spirit never dies“ am Theater Pforzheim


Das Theater Pforzheim lässt den österreichischen Superstar Falco wieder aufleben. Mit dem Musical-Ballett „Falco – The Spirit never dies“ bringt das Theater ein Stück auf die Bühne, das Musical- und Ballett-Fans gleichermaßen auf ihre Kosten kommen lässt. Die rockige Musik Falcos gepaart mit klassischem Tanz sind ein Genuss für Augen und Ohren.

Anlässlich des 60. Geburtstags des im Februar 1998 leider viel zu früh verstorbenen Hans Hölzel – so der bürgerliche Name Falcos – konnte das Theater Pforzheim die australische Choreografin Amy Share-Kissiov und den deutsche Komponisten und Arrangeur Frank Nimsgern für dieses ungewöhnliche aber sehr gelungene Stück gewinnen. Sie schufen ein Feuerwerk aus den bekanntesten Falco-Songs und wunderschönem Tanz.  Es beschreibt die markantesten Stationen des Lebens, vom Kind (Simon Kienzle) mit seiner Mutter (Evi van Wieren) beim Wiener Opernball über die Anfänge als Musiker in einer Band, den Aufstieg zum Weltstar bis zum tödlichen Autounfall in der Dominikanischen Republik. Dazwischen war sein Leben gezeichnet von Alkohol- und Drogenexzessen, er konnte kaum einer Verführung und Versuchung widerstehen.

Als Falco steht Alexander Kerbst auf der Bühne, das wohl gefragteste Falco-Double im deutschsprachigen Raum. Er verkörperte die Rolle bereits unzählige Male im Musical Falco meets Amadeus, diversen Galas und ist seit Anfang 2017 mit seinem neuen Musical „Falco – Das Musical“ auf Europatournee. Sobald Kerbst die Bühne betritt ist Falco lebendig. Stimme, Gestik, Mimik – er ist eins mit seiner Rolle und erweckt den Österreicher zum Leben. Ihm zur Seite steht Johannes Blattner, er tanzt die Rolle des Hans Hölzel mit großer Leidenschaft, immer hin und hergerissen zwischen arrogantem, gefeiertem Star und einsamem, unter Selbstzweifeln leidenden Mann. Sein Leben lang wird Falco von der Verführung begleitet. Sei es Alkohol, Drogen oder Sex, sie ist allgegenwärtig, hier tänzerisch sehr stark dargestellt von Adrien Ursulet. Seine Gegenwart zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben und somit das gesamte Stück und Falco gibt dem Verlangen nur allzu oft nach. Da kann auch sein Manager (Isaac die Natale) nicht viel dagegensetzen. Falco macht, was er will, auch wenn er genau weiß, dass dies sein Untergang bedeutet. Eine große Bedeutung hat die fiktive Figur Jeanny, die verkörperte Sehnsucht aber auch Reinheit und Unschuld . Getanzt von Alba Valenciano Lopez und Yvonne Compana Martos (Jeanny 2) sind auch sie nicht nur in den gleichnamigen Songs sondern auch sonst immer wieder allgegenwärtig.

Das Stück beginnt und endet mit dem Autounfall, bei dem Falco ums Leben kam, und seinem letzten großen Hit „Out of the Dark“. Im Vordergrund die angedeutete Trauerfeier, im Hintergrund oben Falco in einem Container über allem schwebend. Es folgen unter anderen noch weitere große Hits wie Egoist, Dance Mephisto, Der Kommissar, Rock me Amadeus, Europa, Jeanny und Coming Home (Jeanny II) und zum Schluss wieder Out of the Dark. Die 3-köpfige Live-Band um Arrangeur und musikalischen Leiter Frank Nimsgern sorgt für einen guten Sound. Leider gibt es Schwankungen beim Ton und die Mischung stimmt manchmal nicht. Immer wieder wird die Lead-Stimme von den Vocals übertönt oder muss gegen die Band ankämpfen. Vielleicht liegt es am Wechsel zwischen Headset und Handmikro. Vielleicht hätte man hier bei einem, gut abgemischten, bleiben sollen.

Die Bühne von Olga von Wahl stellt die Stationen des Künstlers zusätzlich dar, vom Opernballsaal über stufenartige Showbühne oder von hinten schräg abfallend, es passt immer gut ins Gesamtbild und die jeweilige Situation.

Neben den Solisten steht noch das ebenso hervorragende Ballett-Ensemble des Theaters auf der Bühne: Antoine Audras, Yvonne Compana Martos, Isaac di Natale, Ana Rita dos Santos Brito da Torre, Sara Escribano Maenza, Stefaan Morrow, Eleonora Pennacchini, Dario Theiler, Adrien Ursulet, Alba Valenciano Lopez, Evi van Wieren.

Mit “Falco – the Spirit” never dies ist dem Theater Pforzheim eine hervorragende Neuauflage um die Biografie des Ausnahmekünstlers gelungen. Musik, Tanz und Gesang – eine runde Sache, interessant und auf künstlerisch höchstem Niveau umgesetzt. Allerdings sollte man sich vorher mit Falco und seinem Leben etwas auseinandersetzen oder zumindest das Programmheft lesen, damit man die einzelnen Szenen einordnen kann und die Bedeutung der Tanzszenen versteht.

Termine, Tickets und Infos unter www.theater-pforzheim.de

Fotos: Sabine Haymann
          

Sabine Boehm

Sabine Boehm

Chefredakteurin und Herausgeberin Mitglied bei der DFJV (Deutscher Fachjournalisten-Verband AG) Kontakt: Sabine.Boehm@flashing-light.de Flashing Light ist eine rein ehrenamtliche Online Zeitschrift - keiner der freien Redakteure übt diese Tätigkeit hauptberuflich aus. Es handelt sich um eine unentgeltliche Beschäftigung. Dies betrifft ebenfalls die Redaktionsleitung/Webmasterin!