Flying 4 seasons – eine akrobatische Reise durch die Jahreszeiten

Flying 4 seasons – eine akrobatische Reise durch die Jahreszeiten

„Was, du machst Pole Dance, das ist doch dieser erotische Stangentanz!“ Sicherlich musste Julia Wahl, Inhaberin der Pole Art Studios POLEMOTIONS, diese Zeilen des Öfteren hören. Jedoch kann die Deutsche Meisterin dieser Sportart nur müde darüber lächeln. Denn das, was sie, zusammen mit ihrem Team, am 12. November im Tübinger Sudhaus auf die Bühne zauberte, ist wahrlich hohe Kunst sowie schweißtreibender Sport!

Pole Dance verbindet Kraft, Eleganz und Tanz. So hat Julia Wahl einst nur privat Schüler zu Hause unterrichtet, doch schnell entwickelte sich daraus mehr und zwischenzeitlich hat sie zwei Pole Dance Studios eröffnet, eines in Filderstadt und eines in Tübingen. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und rein „nebenher“ studiert sie noch Psychologie. Diese Komponente sieht man sogar in ihrer großen Solonummer des Abends „Bodyshaming“ herausblitzen. Als Botschaft möchte sie allen mitgeben, dass sich keiner seines Körpers schämen muss – wer selbstsicher auftritt und sich und seinen Körper liebt, der bringt es weiter!

Genau wie ihre Schülerinnen und Schüler, die an diesem Abend nicht nur die Kunst des Pole Dances und dessen verschiedenste Facetten zeigen, sondern sich auch am Aerial Hoop oder den Aerial Silks durch die Lüfte schwingen, denn auch diese Disziplinen werden in ihren Studios unterrichtet, ebenso „Stretching“.

 

Durch den Abend führte gekonnt Lara Luz – zwar betonte sie, dass es ihre erste Moderation überhaupt sei, doch davon war nichts zu merken. Sie sagte treffend jeden Showact an, kleidete sich entsprechend der Jahreszeiten, die man auf der Bühne darstellte und meisterte den „Kampf“ mit dem Mikrokabel mit Bravour. Zusätzlich noch Chapeau bezüglich ihrer hohen Schuhe – auf solchen High Heels sicher zu gehen, erfordert doch einige Übung. Und damit noch zu tanzen, ist ja fast ein Ding der Unmöglichkeit, allerdings nicht für die sexy Dance Kombo der Jahreszeit „Sommer“.

 

Ansonsten durften sogar die ganz Jungen zeigen, dass Pole Dance etwas für sie ist: Daria und Sofia, die jüngsten Kursteilnehmer, eröffneten den Abend stürmisch, passend zum Herbst, als Hexen. Sie schwangen ihre Besen und wirbelten an der Stange herum.

Dass der Herbst aber auch sehr schöne Seiten haben kann, zeigte die Episode „Herbstliebe“, interpretiert durch Irina und Kaia, die beide einst recht unsportlich waren und nun sogar selbst Trainer sind.

Vor allem, wenn man zu zweit auf der Bühne steht, erfordert dies großes Vertrauen. Eben solches benötigt man auch beim Aerial Hoop, einem Metallring, der an einem Seil von der Decke hängt und in der Luft schwebt. Schülerin Julia beherrschte diese doch äußerst wacklige Disziplin hervorragend, nähte sogar ihr Kostüm selbst. Alle Stellwände, die die Jahreszeiten symbolisierten, wurden von ihr mit Hilfe der Schüler liebevoll bemalt und mit Basteleien beklebt.

„Wer fliegen will, muss den Mut haben, den Boden zu verlassen!“, mit diesen passenden Worten wurde der Showact von Frauke und Yasmin eingeleitet. Beide zeigten am Vertikaltuch ihr Können und sorgten für großen Zwischenapplaus mit ihren oft waghalsigen Bewegungsfolgen.

Nach dem Herbst folgte der Winter, mit all seinen positiven und negativen Seiten. Bei Vanessas anmutiger Darbietung konnte jeder Zuschauer sogleich schlussfolgern, dass sie aus dem Ballett kommt. Die sportliche Vanessa hat im Laufe ihres Lebens schon viel ausprobiert, auch Step, Latein und Standardtänze gehörten dazu, doch beim Pole Dance sei sie angekommen und am schönsten findet sie, dass man sich so bewegen kann, wie man sich fühlt!

Lara Luz, die zwischenzeitlich nicht mehr herbstlich, sondern winterlich mit einem silbergrauen Kleid auf der Bühne stand, erklärte auch eindrucksvoll, wie viele Vorurteile es oftmals gäbe. Pole Dance sei ein anerkannter Sport, bei dem es Wettkämpfe und Meisterschaften gäbe. Leider hätten noch viele ein falsches Bild davon im Kopf, doch an diesem Abend sollte jeder sehen, wie vielfältig diese Sportart ist.

Doch nicht nur die Stange diente als Hilfsmittel. Beim Chair Dance benutzte die Tanzgruppe Stühle und bauten diese als passendes Tool perfekt ein.

Die Kreativität war keine Grenzen gesetzt – so zeigte Sina ihre ganz eigene Auslegung des „Winterblues“, einem schrecklichen Gefühl. Traurigkeit übermannt uns, wenn der Sommer uns verlässt und der Herbst geht. Der Winter scheint unendlich lange zu sein, die Kälte umfängt uns und nur die Hoffnung auf den nächsten Frühling lässt uns wieder glücklich sein. Genau diese Gedanken setzte sie eindrucksvoll um, ihr selbst genähtes Kostüm mit bunten Vogelfedern untermalte die Frühlingsepisode noch.

Der Streifzug durch den Winter wurde mit dem Double der Eis-und Schneekönigin, eine ganz in weiß und eine in schwarz gekleidet beendet. (Jana als gute Eisprinzessin und Isabelle als böse Schneekönigin)

Das Buch mit den Geschichten des Winters wurde zugeschlagen und das des bunten Frühlings geöffnet. Dabei wurde auch erklärt, weshalb auf der Bühne zwei Pole Dance Stangen standen, eine ist fest und die andere lässt sich, so gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, um Szenen umzusetzen.

Dies machte sich auch Steffi, die als Indianerin auftrat, zu Nutze, ebenfalls wie Yasmin, die voller Energie an den Stangen wirbelte.

Ein Mann an der Pole Dance Stange? Undenkbar, oder doch nicht?! Uli, die schon einige Zeit bei Julia Wahl tanzte verletzte sich am Vorabend einer Stunde, die gefilmt werden sollte, ihr Mann Robert sprang ad hoc für sie ein und seitdem ist er dem Aerial Hoop sowie der Stange verfallen. Als Pan auf der Bühne nutzte er beides Equipment, um seine Elfe Uli zu bezirzen.

Den Ursprung hat Pole Fitness in Asien, jedoch hat sich dieser Trend weltweit verbreitet. Große Varietés und Zirkusse setzen auf Pole Dance Shownummern und auch im Fernsehen treten viele damit auf, man erinnere sich an Sendungen wie „Das Super Talent“ etc., bei denen viele talentierte Pole Dancer ihr Können unter Beweis stellen.

Die Entwicklung einer Choreographie nehme etliche Wochen in Anspruch, berichtete Steffi in einem kurzen Bühneninterview. Manchmal höre sie eine Musik und tanze freestyle dazu, aus diesen anfangs eher unkoordinierten Bewegungen werde nach und nach dann ein Konzept, ein richtiger Tanz. Wichtig sei, dass man sich ein Motto aussucht, welches man dann künstlerisch und tänzerisch umsetzt.

Jeder lebt den Tanz anders, das zeigte sich auch deutlich im wohl beschwingtesten Teil, dem Sommer!

Bunte Kleidung und das „Barcardi Feeling“ ließen einen an den letzten Strandurlaub denken. Beim Sommer traten vorwiegend Gruppen auf, so auch die Hip Hopper, bei denen der zweite Mann des Abends auftrat – Michael, der sein Herz an den Pole Dance und allgemein an den Tanz verloren hat und hinter der Bühne dafür sorgte, dass alle aufgeregten Tänzerinnen beruhigt wurden.

Insgesamt hatte man den Eindruck, dass es hier keine Konkurrenz gibt, jeder gönnt dem anderen seinen Erfolg und die Individualität des Pole Dance lässt es zu, dass sich jeder auf seine Art und mit seinem Talent einbringen kann.

Wer an sich arbeitet, wird stetig besser werden. Und wer es mehr als Freizeitspaß sieht, der wird hier den Kopf frei bekommen vom Alltagsstress.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Anzahl der Pole Dancer immer mehr steigt und wer einmal den Virus in sich trägt, wird ihn nicht mehr los!

Kann man diese Veranstaltung noch toppen? Wer Julia Wahl kennt, der weiß, dass es sicherlich noch möglich ist. Sie motiviert ihr Team und treibt es auf liebevolle Art und Weise zu Höchstleistungen an und die Schüler danken es ihr und geben ihr ganz viel zurück.

Wir freuen uns auf eine Fortsetzung der Flying 4 seasons, bzw. einem neuen kreativen Mix, der einem vom Alltag entfliehen lässt!

 

Bericht: Franziska Maier

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)