Burlesque Affairs

Ein Hauch von nichts…“Burlesque Affairs“ verzaubert das Stuttgarter Friedrichsbau Varieté

Verrucht, sinnlich, berührend…dies sind nur ein paar Attribute, die man der neuen Show „Burlesque Affairs“ im Stuttgarter Friedrichsbau zuschreiben könnte. Bereits vor zwei Jahren inszenierte Regisseur Ralph Sun eine Burlesque Show im großen Stil, doch diese hier schafft es, neue Akzente zu setzen.

Das abwechslungsreiche Programm lässt die Zuschauer staunen und entführt sie auf eine Zeitreise – zurück in das erste Drittel der 20er Jahre. Damals erlebte das US-amerikanische Unterhaltungstheater „Burlesque“ seine Hochzeit. Im Gegensatz zum Striptease, entledigten sich die Burlesque Tänzerinnen nur einem gewissen Teil ihrer Kleidungsstücke. Auch Accessoires wie große Federfächer, Boas oder glitzernde Umhänge sorgten für ein Prickeln bei den erotischen Tänzen der Damen. Selbst das Ausziehen eines Handschuhs konnte schon sehr lasziv wirken.

So wird auch bei „Burlesque Affairs“ auf diesen Grundsätzen aufgebaut und die Künstler präsentieren die verschiedensten Facetten des Genres. Durch die Show führt Ferkel Johnson, der Conferenciér des Abends entledigt sich des Öfteren selbst seiner Kleidung, er moderiert mit Witz und Charme, ist dabei noch Musiker, der seine etwas zweideutigen Titel mit einem Augenzwinkern präsentiert und der das Publikum auch aktiv integriert.

Der Abend ist eine Mischung aus Tanz, Akrobatik und Comedy. Eine perfekte Symbiose der Unterhaltungskunst. Dabei ist die Show kurzweilig und durch die Unterschiedlichkeit der Akteure wird es nie langweilig. Selbst die Gastronomie und die Mitarbeiter des Theaters sind passend mit kleinen Accessoires ausgestattet, ob Hüte mit Federn oder Netz, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Ebenfalls bemerkbar ist das bei den Künstlern auf der Bühne, deren Darbietungen stets mit großem Applaus quittiert und honoriert werden.

Für die nötige Portion Humor sorgt das Duo „Les Dudes“ , die perfekt die Kunst der Jonglage beherrschen und dabei noch vielerlei Slapstick einbauen.

Auch Marie und Mirko beeindrucken mit ihrer Partnerakrobatik – die Kraft und Anmut der beiden lässt die Zuschauer staunen.

Insgesamt werden viel mehr kleine Geschichten in den einzelnen Showacts erzählt. Es ist verblüffend, was man alleine durch den Tanz ausdrücken kann. Ob Sheyen Carolis Auftritt, bei dem sie dominant als „Maneater“ auftritt und am Ende noch im Kopfstand mit den Füßen Pfeil und Bogen spannt und damit auf ein Herz schießt. Oder Louise L´Amour, deren Tanz dramatisch anmutet und dabei Grazie und viel Esprit versprüht.

Burlesque Affairs hält für jeden etwas bereit, es werden keine Grenzen überschritten und das ist in der heutigen Zeit eher selten vorzufinden. Dank des Internets gibt es kaum noch Tabus, viele schütteln sicher den Kopf über das erotische Spiel des Burlesque, ist man doch wesentlich mehr gewöhnt in dieser freizügigen Zeit. Doch die Show zeigt eindrucksvoll, dass nicht immer die nackten Tatsachen wichtig sind. Es ist viel ästhetischer und schöner, wenn manches verhüllt bleibt.

Daher tauchen auch Sie noch in die Welt des Burlesque ein und lassen Sie sich von dem hervorragenden Ensemble verführen, bzw. entführen in eine Zeit, in der die Kraft der Imagination noch zählte.

Weitere Infos erhalten Sie unter:

www.friedrichsbau.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Alexandra Klein

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)