Ein Strumpfband seiner Liebeslust

„Ein Strumpfband seiner Liebeslust“ – Kommissar Holzapfel ermittelt

Was hat ein rotes Strumpfband mit einem Trinkbecher und dem König von Württemberg zu tun?!

Genau diese Frage stellt sich auch Kommissar Holzapfel in seinem neuesten Fall, der seit dem 22. März in der Stuttgarter Komödie im Marquardt zu sehen ist.

Ein Fall ohne Mord und Leiche – ist das denn überhaupt ein Krimi? Tobias Goldfarbs Stück hat nicht den Anspruch einer zu sein und das, obwohl ein Kommissar ermittelt. Doch ähnlich wie Inspektor Columbo, ist Holzapfel (gespielt von Norbert Aberle) eine wahre „Type“. Schon sein erster Auftritt sorgt für Lacher, ein kauziger älterer Herr, Brezel essend und mit Wohlstandsbäuchlein, dazu ein breites Schwäbisch sprechend. An sich traut man ihm nicht viel zu, doch so war es doch immer in all den bekannten Kriminalromanen oder wer dachte schon, dass ein Hercules Poirot so scharf kombinieren kann? Gab er sich doch stets als belgischer Gentleman, der eher seine Ruhe wollte.

Bei Holzapfel ist es nicht anders, doch am Hof des König Wilhelms II. von Württemberg (Bernhard Leute) ist es dringend notwendig zu ermitteln! So sorgt ein rotes Strumpfband, das nach einem feucht fröhlichen Herrenabend des Königs im Trinkbecher gefunden wird, für Furore!

Dabei wollte der König doch nur mit seinen beiden besten Freunden Dr. Alois Künzle (Marius Hubel) und dem „Nordlicht“ Malte Steenkamp (Udo Thies), einem Großhändler aus Hamburg, einen schönen und vor allem poetischen Abend verbringen. So pflegen die Herren das Hobby der Dichtkunst und das nicht zu knapp!

Die Frau des Königs, Charlotte von Württemberg (Rose Kneissler) möchte der Sache jedoch auf den Grund gehen und glaubt ihrem Gatten nicht so wirklich, nachdem dieser beteuerte, er wisse nicht, wie das Strumpfband in seinen Becher kam.

Zu allem Übel steht noch Fräulein Weiß (Amelie Sturm) von der Presse vor der königlichen Türe und möchte groß über die „Orgie am Hofe“ berichten – was gäbe es denn für eine schönere Schlagzeile als: „Ein Strumpfband seiner Liebeslust!“

Tobias Goldfarbs Komödie spielt im 19. Jahrhundert. Dementsprechend wurden die Darsteller auch ziemlich bleich geschminkt, pflegte man sich doch damals lieber zu pudern, anstatt zu waschen. Auch das Bühnenbild zeigt dem Publikum der Komödie im Marquardt eine Szenerie, die eines Schlosses würdig ist. Das „Herrenzimmer“, ausgestattet mit allerlei Jagdtrophäen und natürlich auch einer Sitzecke, kann perfekt den Szenen entsprechend beleuchtet werden. Die Wände in babyrosa, enthalten unzählige Lämpchen, die stimmungsvoll gedimmt werden. Und wenn Holzapfel in seinen Rückblenden versucht, den Fall zu lösen, wird die Bühne in ein kühles Blau getaucht.

Im Verlauf des Stückes kommt auch die Dichtkunst der drei edlen Freunde nicht zu kurz – so trägt ein jeder sein Werk vor, ob nun Steenkamps Schauermär über die „weiße Frau“ oder Künzles Jagdgedicht, ja beinahe schon Ballade, bei der sogar die Göttin der Jagd „Diana“ höchstpersönlich auftaucht, in Gestalt von Lulu (ebenfalls verkörpert von Amelie Sturm), einem „leichten Mädchen“, das regelmäßig Herrenbesuch erhält und die den Kommissar sowie die Freunde des Königs besser denn je kennt.

Hat Lulu etwas mit dem ominösen Strumpfband zu tun? Und schafft es der Kommissar den Fall zu lösen? Und was hat ein giftiger Frosch noch mit alldem zu schaffen?

Sie erhalten alle Antworten bis zum 13. Mai in der Komödie im Marquardt!

Weitere Infos unter:

www.schauspielbuehnen.de

Bericht: Franziska Maier

Fotos: Sabine Haymann

Franziska Maier

Franziska Maier

> Offizielles Mitglied der "bdfj" Bundesvereinigung der Fachjournalisten e.V. > Studium der Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und ev. Theologie* Beruf der Realschullehrerin (inkl. des Amtes der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) > Journalistische Tätigkeit bei diversen Magazinen (Veröffentlichung von Artikeln u.a. bei Da Capo, Thats Musical, Blickpunkt Musical, Esslinger Zeitung...)